Startups

Britischer Haushalt stärkt Exit-Anreize für Health-Tech-Gründer

Neue Steuererleichterungen, Beteiligungsoptionen und Visa-Reformen sollen Startups und Scale-ups im Land halten.

By Christian KloewerPosted 28. Oktober 2026

Der britische Haushalt 2026 setzt neue Anreize für Gründer, Investoren und Fachkräfte. Ab April 2027 soll für qualifizierte Unternehmensverkäufe ein Kapitalertragsteuersatz von zehn Prozent gelten; zugleich werden Mitarbeiteroptionen und staatliche Finanzierungsangebote ausgeweitet. Für Health-Tech- und Life-Sciences-Unternehmen verbessert das die Bedingungen für Exits, Personalgewinnung und Wachstumsfinanzierung.

Die neue Founders’ Relief gilt nach dem bisherigen Entwurf für bis zu zehn Millionen Pfund an lebenslangen Veräußerungsgewinnen pro Person. Ohne entsprechende Vergünstigung werden Kapitalgewinne regulär mit 18 oder 24 Prozent besteuert. Die Begünstigung soll für Verkäufe ab dem 6. April 2027 greifen. Welche Unternehmen und Anteilseigner im Detail qualifiziert sind, ist noch Gegenstand einer technischen Konsultation bis zum 30. November 2026.

Der Vorteil ist nicht universell. Die Regierung will die bestehende Business Asset Disposal Relief ab April 2027 auf Gewinne bis 500.000 Pfund begrenzen, bislang sind es eine Million Pfund. Gründer müssen deshalb prüfen, ob sie die engeren Voraussetzungen der neuen Regel erfüllen. Der Entwurf verlangt unter anderem eine wesentliche frühe Beteiligung an einem wachstumsorientierten, innovativen Unternehmen.

Auch Beteiligungsprogramme werden ausgebaut. Beim neuen EMI2-Modell steigt der Wert steuerbegünstigter Optionen pro Mitarbeiter von 60.000 auf 120.000 Pfund; die mögliche Ausübungsfrist verlängert sich von zehn auf 15 Jahre. Das ist für kapitalarme Health-Tech-Scale-ups relevant, die klinische, regulatorische und technische Spezialisten nicht allein über Gehalt gewinnen können.

Mehr Kapital, offenere Talentwege

Die British Business Bank erhält fünf Milliarden Pfund zusätzliche Finanzierungskapazität. Davon sind 1,4 Milliarden Pfund für Beteiligungsfonds und 450 Millionen Pfund für ein neues Venture-Debt-Angebot vorgesehen. Venture Debt ermöglicht Wachstumskredite ohne unmittelbare Ausgabe neuer Anteile, erhöht aber die Verschuldung und eignet sich vor allem für Unternehmen mit planbaren Finanzierungs- oder Umsatzpfaden.

Beim Forschungssteuerrecht soll die verpflichtende Voranmeldung für Ansprüche ab April 2027 entfallen; weitere Formulare werden vereinfacht. Parallel kündigt die Regierung Reformen für internationale Talente an: Das High Potential Individual Visa soll Absolventen der weltweit besten 150 Hochschulen offenstehen, ausgewählte Graduate-Visa sollen zwei Jahre gelten und besonders qualifizierte Beschäftigte nach Jobverlust bis zu sechs Monate für die Suche erhalten. Anpassungen bei Mindestgehältern sollen regionale Arbeitsmärkte besser berücksichtigen; konkrete Schwellen stehen noch aus.

Ein Young Entrepreneurs Allowance soll jungen Gründern im ersten Unternehmensjahr Lebenshaltungskosten finanzieren. Höhe, Altersgrenze, Auswahlverfahren und Starttermin wurden noch nicht veröffentlicht. Hinzu kommen ein Scale-up-Programm für Frauen und eine Verdopplung der Zusagen der British Business Bank für frauengeführte Unternehmen und Fonds auf 200 Millionen Pfund.

Einordnung: Für Health-Tech-Gründer ist die Kombination aus Exit-Steuer, Optionen und Kapitalangebot wichtiger als jede Einzelmaßnahme. Der Nutzen hängt jedoch an Details: Die neue Steuerbegünstigung ist noch nicht final, Visa-Reformen benötigen Umsetzung und Venture Debt ersetzt keine tragfähige Geschäftsgrundlage.

Christian Kloewer

Christian Kloewer

Tech & Startups

Christian Kloewer schreibt bei MIDO Health über Health-Tech, Startups und Finanzierungen. Er kommt aus der Kommunikation und dem Digitalgeschäft und liest Gründungen im Gesundheitswesen mit dem Blick des Machers: Was löst das Produkt, wer bezahlt dafür, und trägt das Modell?

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