Die geplante Neuordnung der ärztlichen Intensivteams am Standort Harlaching wird zum Prüfstein für das Risikomanagement der München Klinik. Ab Januar 2027 sollen die bisher getrennten Teams der internistischen, anästhesiologischen und neurologischen Intensivmedizin enger zusammenarbeiten. Nach Angaben aus einem offenen Ärztebrief sind für zunächst 18 und perspektivisch 24 Betten insgesamt 18,5 ärztliche Vollzeitstellen vorgesehen. Der Aufsichtsrat soll sich am 29. Oktober mit der Kritik befassen.
Zwei Dienste für drei Fachbereiche
Die Unterzeichner des Briefs befürchten, dass künftig nur zwei ärztliche Dienstlinien drei fachlich unterschiedliche Intensivbereiche rund um die Uhr abdecken müssten. Problematisch sei vor allem die gleichzeitige Belastung: Die Teams versorgen nicht nur Patienten auf den Stationen, sondern unterstützen auch Reanimationen, Schockraum, geburtshilfliche Notfälle und regionale ECMO-Einsätze.
Harlaching ist unter anderem überregionales Traumazentrum, Cardiac Arrest Center, ECMO-Zentrum und Perinatalzentrum der höchsten Versorgungsstufe. Die Ärzte warnen deshalb vor verzögerten Reaktionen und kündigen Gefährdungsanzeigen an, falls sie eine sichere Versorgung im Dienst nicht gewährleisten können. Der Marburger Bund Bayern fordert, die Umsetzung auszusetzen und die Personalgrundlage unabhängig prüfen zu lassen.
Klinik verweist auf Neubau und Fallzahlen
Die München Klinik widerspricht dem Eindruck eines rein rechnerischen Stellenabbaus. Sie behandle heute weniger Patienten mit mehr Personal als vor der Pandemie und müsse die Besetzung an die tatsächliche Leistung anpassen. Im neuen Klinikgebäude liegen die Intensivbereiche auf einer Ebene und sind räumlich verbunden. Diese Architektur sei ausdrücklich für gemeinsame Dienststrukturen ausgelegt. Betriebsrat und weitere Beteiligte sollen in die Ausgestaltung einbezogen werden.
Der Neubau hat den vollständigen klinischen Betrieb im Sommer 2026 aufgenommen. Für Harlaching werden rund 550 Betten und Tagesplätze sowie etwa 79.000 Patienten pro Jahr ausgewiesen. Auch die zentrale Notaufnahme wurde organisatorisch neu aufgestellt: Bei rund 40.000 Notfallpatienten jährlich lag die mittlere Aufenthaltszeit zuletzt bei 2,9 Stunden, ein großer Teil der Patienten wartete nicht auf den Erstkontakt. Diese Kennzahlen zeigen Effizienzgewinne, beantworten aber nicht die Frage, wie drei Intensivfachgebiete bei gleichzeitig auftretenden Notfällen besetzt werden.
Personalquote allein reicht nicht
Fachliche Empfehlungen zur Intensivmedizin knüpfen die ärztliche Ausstattung nicht nur an die Bettenzahl, sondern auch an Versorgungsstufe, Spezialaufgaben und die jederzeitige Verfügbarkeit qualifizierter Ärzte. Eine belastbare Bewertung der 18,5 Stellen erfordert daher Dienstpläne, Belegungsdaten, Ausfallreserven und realistische Szenarien für parallele Einsätze. Weder die Gesamtstellenzahl noch die räumliche Nähe der Stationen liefert für sich genommen einen Sicherheitsnachweis.
Einordnung
Die gemeinsame Ebene im Neubau schafft eine plausible Grundlage für flexiblere Teams. Entscheidend ist jedoch nicht die durchschnittliche Auslastung, sondern die Handlungsfähigkeit in Spitzenlagen. Vor einer Umsetzung sollte der Aufsichtsrat deshalb ein transparentes, szenariobasiertes Personalkonzept verlangen – einschließlich Vertretungsregeln, Qualifikationsmix und Reaktionszeiten. So ließe sich Effizienz mit überprüfbarer Patientensicherheit verbinden.











