Health-Tech

Blutproteine könnten Lecanemab-Therapie bei Alzheimer messbar machen

Eine Kohortenstudie findet 34 veränderte Biomarker unter Behandlung, doch für den klinischen Einsatz fehlt noch die externe Validierung.

By Dr. med. Alvar MollikPosted 28. Oktober 2026

Eine US-Kohortenstudie zeigt, dass sich unter der Alzheimer-Therapie mit Lecanemab zahlreiche Proteine im Blut verändern. Von 130 untersuchten Biomarkern reagierten 34 statistisch signifikant auf die Behandlung. Die Muster könnten künftig helfen, biologische Therapieeffekte und möglicherweise den weiteren Verlauf mit Bluttests zu beobachten.

Untersucht wurden 197 Menschen mit früher symptomatischer Alzheimer-Krankheit, die Lecanemab im klinischen Alltag erhielten. Der Antikörper wurde mit 10 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht alle zwei Wochen infundiert. Blutproben und klinische Untersuchungen erfolgten ungefähr alle sechs Monate über bis zu zwei Jahre.

Als Vergleich dienten 1.312 Menschen mit kognitiven Einschränkungen ohne Anti-Amyloid-Behandlung sowie 458 Personen ohne kognitive Beeinträchtigung und ohne nachweisbare Amyloidablagerungen. Die Forschenden ordneten die 130 Proteine vier Verlaufsmustern zu.

Einige Marker näherten sich unter der Therapie den Konzentrationen der amyloidnegativen Kontrollgruppe an. Dazu gehörten phosphoryliertes Tau 217, MAPT und das Gliafaserprotein GFAP. Amyloid-beta-Peptide bewegten sich zunächst in Richtung Normalbereich und teilweise darüber hinaus. Andere Proteine, darunter NPTXR, Neurogranin und TREM2, entfernten sich dagegen weiter von den Vergleichswerten. Neurofilament Light und Apolipoprotein E blieben weitgehend unverändert.

Die unterschiedlichen Bewegungen deuten darauf hin, dass Lecanemab nicht nur die Amyloidlast beeinflusst. Veränderungen bei Entzündungs-, Nerven- und Synapsenmarkern könnten Immunreaktionen auf den Plaqueabbau oder weitere neuronale Prozesse abbilden. Ein Teil der Proteinmuster war außerdem mit Veränderungen bei Gedächtnis und Denken verbunden.

Für den Diagnostikmarkt eröffnet das eine Perspektive: Bluttests sind potenziell günstiger, leichter wiederholbar und breiter verfügbar als Amyloid-PET-Untersuchungen. Denkbar wären unterschiedliche Tests für Therapieansprechen und Prognose. Noch ist jedoch keiner der untersuchten Marker für diese Anwendung validiert oder zugelassen.

Die Studie stammt aus nur einem Behandlungszentrum. 98 Prozent der Teilnehmenden mit verfügbaren Angaben waren weiß, zudem handelte es sich nicht um eine randomisierte Therapiestudie. Die Kontrollgruppen unterschieden sich in Herkunft und Beobachtungszeitraum. Bevor ein Test in die Versorgung gelangt, müssen die Signaturen daher in unabhängigen, vielfältigeren Kohorten bestätigt und Grenzwerte festgelegt werden.

Lecanemab ist in der Europäischen Union seit April 2025 für ausgewählte Erwachsene mit früher Alzheimer-Krankheit zugelassen. Behandelt werden dürfen Personen mit bestätigter Amyloidpathologie, die keine oder nur eine Kopie der ApoE4-Genvariante tragen. Das soll das Risiko amyloidbedingter Bildgebungsauffälligkeiten mit Hirnschwellungen oder Blutungen begrenzen.

Ein künftiger Bluttest würde die vorgeschriebenen MRT-Kontrollen nicht ersetzen. Diese dienen der Erkennung potenziell schwerer Nebenwirkungen und sind vor Behandlungsbeginn sowie vor mehreren Infusionen erforderlich. Auch die kognitive Entwicklung muss regelmäßig ärztlich beurteilt werden.

Einordnung: Die Arbeit liefert einen plausiblen Baukasten für therapiebegleitende Alzheimer-Diagnostik, aber noch kein marktreifes Produkt. Der klinische Wert entscheidet sich daran, ob Blutmarker zuverlässig mit Amyloidabbau, individuellem Nutzen und Prognose zusammenhängen – und ob sie sich außerhalb des Studienzentrums reproduzieren lassen.

Dr. med. Alvar Mollik

Dr. med. Alvar Mollik

Medizin

Dr. med. Alvar Mollik ist HNO-Facharzt, Gründer von Mindful Doctor und Herausgeber des Buches „Mindful Doctor“. Bei MIDO Health schreibt er über Medizin, Versorgung und die Frage, wie Ärztinnen und Ärzte in einem sich wandelnden System gesund führen können.

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