Eine Strahlentherapie nach vollständiger Entfernung eines atypischen Meningeoms kann das Risiko eines erneuten Tumorwachstums deutlich senken. In der internationalen Phase-III-Studie ROAM/EORTC-1308 trat bei 14 Prozent der bestrahlten Patientinnen und Patienten ein Rezidiv auf, verglichen mit 30 Prozent unter alleiniger Beobachtung. Damit liegt erstmals randomisierte Evidenz für eine seit Jahrzehnten offene Therapiefrage vor.
Atypische Meningeome des WHO-Grads 2 entstehen aus den Hirnhäuten und kehren auch nach makroskopisch vollständiger Operation vergleichsweise häufig zurück. Bislang unterschieden sich die Behandlungsstrategien erheblich: Manche Zentren empfahlen unmittelbar nach dem Eingriff eine Bestrahlung, andere setzten auf regelmäßige MRT-Kontrollen und behandelten erst bei einem Rückfall. Aussagekräftige Vergleichsdaten fehlten.
Für die offene, randomisierte Studie wurden 157 Menschen ab 16 Jahren an 58 Kliniken und akademischen Zentren in elf Ländern aufgenommen. 78 Teilnehmende erhielten eine intensitätsmodulierte externe Strahlentherapie mit insgesamt 60 Gray in 30 Sitzungen über sechs Wochen. 79 wurden zunächst nur beobachtet. Der primäre Endpunkt war das krankheitsfreie Überleben, also die Zeit bis zu einem im MRT bestätigten Rezidiv oder bis zum Tod.
Nach einer medianen Nachbeobachtung von 64 Monaten lag das krankheitsfreie Überleben nach fünf Jahren in der Bestrahlungsgruppe bei 79,9 Prozent. In der Beobachtungsgruppe waren es 64,3 Prozent. Der absolute Unterschied betrug 15,6 Prozentpunkte. Statistisch entsprach dies einer Halbierung des Risikos für Rezidiv oder Tod.
Der Nutzen ist allerdings nicht frei von Belastungen. Unter den 66 tatsächlich bestrahlten Personen traten bei fünf, entsprechend acht Prozent, schwerwiegende strahlenbedingte Ereignisse der Grade 2 oder 3 auf. Behandlungsbedingte Todesfälle gab es nicht. Mögliche verzögerte Folgen der Bestrahlung bleiben ein wichtiger Teil der individuellen Entscheidung, zumal die Therapie sechs Wochen beansprucht.
Für neuroonkologische Zentren dürften die Ergebnisse Tumorboards und Leitlinien unmittelbar beeinflussen. Statt regional unterschiedlicher Routinen steht nun eine belastbare Grundlage für das gemeinsame Abwägen von Rückfallvermeidung, Nebenwirkungen und persönlicher Präferenz zur Verfügung. Gleichzeitig könnte eine breitere Anwendung den Bedarf an präziser Bestrahlungsplanung und entsprechenden Kapazitäten erhöhen.
Einordnung: Die Studie etabliert keine automatische Pflicht zur Bestrahlung, verändert aber den Ausgangspunkt der Beratung. Nach vollständiger Resektion eines atypischen Meningeoms sollte die adjuvante Strahlentherapie künftig aktiv angeboten und gemeinsam mit den Betroffenen gegen ihre möglichen Langzeitfolgen abgewogen werden.











