Health-Tech

Agora Labs erhält 4,3 Millionen Euro für föderierte Gesundheitsdaten

Die italienische Plattform lässt klinische Daten in den Krankenhäusern und will ihr internationales Forschungsnetzwerk ausbauen.

By Christian KloewerPosted 28. Oktober 2026

Das römische Deeptech-Unternehmen Agora Labs hat 4,3 Millionen Euro eingeworben. Die Runde wird vom italienischen Venture-Capital-Investor P101 angeführt; beteiligt ist außerdem die Unternehmerfamilie Mussetto hinter der Holding Infinite Five. Das Kapital soll das internationale Kliniknetzwerk, neue Märkte und rund 20 zusätzliche Stellen finanzieren.

Agora Labs entwickelt eine Infrastruktur, mit der Krankenhäuser klinische Daten für Forschung und KI-Entwicklung nutzbar machen können, ohne Rohdaten in einem zentralen Speicher zusammenzuführen. Dafür wird in jeder teilnehmenden Einrichtung ein lokaler Rechenknoten installiert. Die Klinik bestimmt, welche Daten für welchen Zweck, für wen und wie lange verwendet werden dürfen.

Auf diesen lokalen Systemen sollen spezialisierte große Sprachmodelle unstrukturierte Informationen ordnen und standardisieren. Anschließend werden Patientendaten nach Angaben des Unternehmens durch mathematische Verfahren anonymisiert. Die Verarbeitung läuft auf Grafikprozessoren von Nvidia, das als Technologiepartner genannt wird. Agora Labs selbst erklärt, keinen Zugriff auf die Daten in den Kliniken zu haben.

Für gemeinsame Projekte nutzt die Plattform föderiertes Lernen. Dabei werden KI-Modelle an mehreren Standorten trainiert und geprüft, während lediglich Berechnungen und Modellergebnisse zwischen den Einrichtungen ausgetauscht werden. Die ursprünglichen Datensätze verbleiben vor Ort. Forschungszentren, Pharmaunternehmen und KI-Entwickler können dadurch multizentrische Studien durchführen, ohne sämtliche Patientendaten übertragen zu müssen.

Das Versprechen ist für den Markt relevant, sollte aber technisch und rechtlich genau geprüft werden. Dezentrale Verarbeitung reduziert Datenbewegungen, beseitigt jedoch nicht automatisch alle Datenschutz- und Sicherheitsrisiken. Kliniken müssen unter anderem Rechtsgrundlage, Zweckbindung, Zugriffsrechte, Anonymisierungsqualität, Modelllecks und Verantwortlichkeiten bei internationalen Projekten bewerten.

Die Finanzierungsmitteilung nennt ein Netzwerk von 50 Gesundheitseinrichtungen, darunter die Harvard Medical School und das Krankenhaus San Raffaele in Mailand; diese Zahl soll auf 100 steigen. Die Unternehmenswebsite weist separat 26 aktive Forschungsstandorte und mehr als 120 internationale Fachpublikationen aus. Die unterschiedlichen Kennzahlen dürften Netzwerkmitglieder und aktive Installationen abbilden, werden aber nicht näher erklärt.

Erste Projekte analysieren in Italien Daten aus Krankenhausapotheken und Behandlungspfaden. In Saudi-Arabien werden genetische, klinische und radiologische Informationen kombiniert, um Risikomodelle für Komplikationen bei Typ-1- und Typ-2-Diabetes zu entwickeln. Preise, Umsätze und konkrete Vertragsmodelle veröffentlicht das Unternehmen nicht.

Agora Labs entstand aus europäischen Forschungsprogrammen zu sicherem Datenaustausch, datenschutzfreundlicher Berechnung und föderiertem Lernen. Das 2022 gegründete Unternehmen nahm 2023 den kommerziellen Betrieb auf. An der Spitze stehen der Gefäßchirurg und biomedizinische Informatiker Davide Zaccagnini als CEO sowie der Ingenieur Fabio Giulietto als Chief Business Officer.

Einordnung: Die Runde adressiert einen Engpass der KI-Medizin: Für belastbare Modelle werden vielfältige klinische Daten benötigt, deren Zentralisierung rechtlich und organisatorisch schwierig ist. Agora Labs muss nun zeigen, dass sein Netzwerk nicht nur wächst, sondern reproduzierbare Forschung, belastbaren Datenschutz und einen tragfähigen Vertrieb ermöglicht.

Christian Kloewer

Christian Kloewer

Tech & Startups

Christian Kloewer schreibt bei MIDO Health über Health-Tech, Startups und Finanzierungen. Er kommt aus der Kommunikation und dem Digitalgeschäft und liest Gründungen im Gesundheitswesen mit dem Blick des Machers: Was löst das Produkt, wer bezahlt dafür, und trägt das Modell?

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