Health-Tech

Galleri-Krebsbluttest erkennt weniger als die Hälfte der Fälle

PATHFINDER 2 zeigt einen hohen positiven Vorhersagewert, aber eine begrenzte Sensitivität und noch keinen Beleg für einen Versorgungsvorteil.

By Dr. med. Alvar MollikPosted 22. Oktober 2026

Der Bluttest Galleri kann Signale von mehr als 50 Krebsarten erkennen und häufig den wahrscheinlichen Ursprungsort benennen. Neue Daten aus PATHFINDER 2 zeigen jedoch ein gemischtes Bild: 60,3 Prozent der positiven Ergebnisse bestätigten sich als Krebs, zugleich erkannte der Test innerhalb von zwölf Monaten nur 39,3 Prozent aller diagnostizierten Erkrankungen.

Galleri analysiert Methylierungsmuster in zellfreier DNA, also chemische Markierungen an DNA-Fragmenten im Blut. Ein maschinelles Lernverfahren bewertet, ob ein gemeinsames Krebssignal vorliegt und aus welchem Organ es wahrscheinlich stammt. Der Test ist als Ergänzung zu etablierten Früherkennungsprogrammen gedacht, nicht als Ersatz.

Für die Leistungsanalyse standen 32.007 Erwachsene ab 50 Jahren ohne klinischen Krebsverdacht zur Verfügung. Bei 287 Personen meldete der Test ein Signal; 173 erhielten anschließend eine Krebsdiagnose, 114 nicht. Die Spezifität betrug 99,64 Prozent, die Vorhersage des Ursprungsortes war in 91,3 Prozent der bestätigten Fälle korrekt. Um eine Krebserkrankung zu finden, mussten rechnerisch 185 Menschen getestet werden.

Die Kehrseite zeigt sich bei den negativen Ergebnissen. Insgesamt wurden während der zwölf Monate 440 Krebserkrankungen diagnostiziert. Galleri erkannte 173 davon, 267 blieben zunächst unentdeckt. Für zwölf vorab definierte, besonders tödliche Krebsarten lag die Sensitivität höher bei 69,8 Prozent. Ein negatives Resultat schließt Krebs daher nicht aus und darf Symptome oder reguläre Vorsorge nicht relativieren.

Von 35.335 Personen in der Sicherheitsauswertung unterzogen sich 213 nach einem positiven Resultat mindestens einem invasiven Eingriff; das waren 0,6 Prozent aller Getesteten. Meist handelte es sich um nichtoperative Verfahren wie Biopsien oder Endoskopien. Schwerwiegende studienbedingte Ereignisse wurden nicht gemeldet.

Offen bleibt der klinische Nutzen. PATHFINDER 2 hatte keine Kontrollgruppe und war nicht darauf ausgelegt, weniger Todesfälle oder weniger fortgeschrittene Tumoren nachzuweisen. In einer separaten randomisierten Studie mit 142.250 Menschen senkten drei jährliche Testdurchgänge die Rate von Stadium-III- und -IV-Diagnosen bei zwölf definierten Krebsarten nicht signifikant.

In den USA beträgt der Listenpreis 949 Dollar; zusätzliche Diagnostik ist nicht eingeschlossen. Der Test ist dort als Labortest erhältlich, aber noch nicht von der FDA zugelassen oder freigegeben. Ein externes FDA-Gremium bewertete das Nutzen-Risiko-Verhältnis im September 2026 mehrheitlich positiv. Für Deutschland besteht keine reguläre Screeningempfehlung oder Erstattung.

Einordnung

Galleri verbindet hohe Spezifität mit einer relevanten Zahl übersehener Erkrankungen. Für Gesundheitssysteme reicht technische Trefferleistung nicht: Entscheidend sind weniger Spätstadien, geringere Sterblichkeit, vertretbare Folgeuntersuchungen und ein belastbares Kosten-Nutzen-Verhältnis.

Dr. med. Alvar Mollik

Dr. med. Alvar Mollik

Medizin

Dr. med. Alvar Mollik ist HNO-Facharzt, Gründer von Mindful Doctor und Herausgeber des Buches „Mindful Doctor“. Bei MIDO Health schreibt er über Medizin, Versorgung und die Frage, wie Ärztinnen und Ärzte in einem sich wandelnden System gesund führen können.

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