Auf einem zweitägigen Biotech-Gipfel in Shanghai wurde nach Beobachtung des STAT-Reporters Jason Mast intensiv gehandelt: Investoren drängten auf chinesisch entwickelte Wirkstoffe, die inzwischen etwa ein Drittel der weltweiten Pipeline stellen und mehr als die Hälfte aller Lizenz- oder Kooperationsdeals auf sich ziehen. Die Führung der Kommunistischen Partei rechnet mit mindestens fünf Blockbustern, also Medikamenten mit über einer Milliarde Dollar Jahresumsatz, bis 2030. Für westliche Konzerne und Investoren stellt sich damit die Frage, ob die USA ihren wissenschaftlichen Vorsprung halten. Die Angaben sind aus dem Englischen übersetzt und stammen aus einer Meldung vom 1. Oktober 2026.
Dass der Boom nicht nur Konferenzrhetorik ist, zeigen Zahlen aus einer Reuters-Analyse vom Februar 2026: Lizenzvereinbarungen von Unternehmen aus Großchina erreichten 2025 ein Volumen von 137,7 Milliarden Dollar, fast das Zehnfache von 2021 (Daten des Anbieters Pharmcube). Genannt werden unter anderem der Deal von AstraZeneca mit CSPC Pharmaceutical über ein Abnehmmittel mit 18,5 Milliarden Dollar und die Vereinbarung von AbbVie mit RemeGen über 5,6 Milliarden Dollar. Analysten erwarten weiteres Wachstum: Tom Barsha von BofA Securities sieht das Volumen in 18 bis 24 Monaten erneut verdoppelt, Tony Ren von Macquarie Capital rechnet für 2026 mit 40 bis 50 Prozent Wachstum.
Wo China stark ist
China stellt rund 90 Prozent der weltweiten Lizenzaktivität bei Antikörper-Wirkstoff-Konjugaten (ADC), einer Krebsmittelklasse, die einen Antikörper mit einem Zellgift verbindet. Das Land gilt als stark bei Chemie und spezialisierten Molekülen, was westlichen Konzernen mit auslaufenden Patenten einen günstigeren Zugang zu Kandidaten verschafft als eigene Entwicklung. Zugleich steigen die Preise: Die durchschnittliche Vorabzahlung lag 2026 bei 77,7 Millionen Dollar nach 38,8 Millionen Dollar 2025, der durchschnittliche Dealwert bei 1,3 Milliarden Dollar, 76 Prozent mehr als 2025.
Die politische Gegenbewegung
In den USA wächst die Skepsis. Das Biosecure-Gesetz wurde in den Verteidigungshaushalt für 2026 aufgenommen. Es untersagt Bundesbehörden, Biotechnologie-Leistungen von „Biotechnology Companies of Concern“ zu beziehen; dazu zählen Firmen auf der Pentagon-Liste chinesischer Militärunternehmen sowie Unternehmen, die die Haushaltsbehörde OMB nach Kriterien zur nationalen Sicherheit benennt. Die OMB-Liste soll binnen eines Jahres erscheinen, bestehende Verträge erhalten einen fünfjährigen Schutz.
Einordnung: Chinesische Wirkstoffe sind für westliche Konzerne ein günstiger Zugang zu Pipeline-Nachschub, die höheren Vorabzahlungen verengen den Preisvorteil jedoch. Wer in Deals mit chinesischen Partnern investiert, muss die US-Regulierung als eigenes Risiko einpreisen.











