Health-Tech

4DMedical: CE-Zeichen, US-Kette, Mass General und Contextflow in zwei Monaten

Der australische Lungenbildgebungs-Anbieter treibt seine Software CT:VQ mit mehreren Deals in Europa und den USA voran.

By Christian KloewerPosted 3. Juni 2026

Der australische Medizintechnikanbieter 4DMedical (ASX: 4DX) hat binnen weniger Wochen seine Marktposition ausgebaut: Ende März erhielt die Software CT:VQ das CE-Zeichen für die EU, Anfang Juni folgten ein Vertrag mit der US-Radiologiekette SimonMed, ein Studienprogramm mit Mass General Brigham und die Übernahme des Wiener Startups contextflow. Alle Angaben stammen von Unternehmensseite und aus der Fachpresse (aus dem Englischen übersetzt).

CT:VQ erzeugt aus gewöhnlichen Computertomografien ohne Kontrastmittel Ventilations- und Perfusionskarten der Lunge, also Bilder davon, wie gut Luft und Blut in einzelne Lungenregionen gelangen. Es soll damit die klassische nuklearmedizinische V/Q-Szintigrafie ersetzen, die radioaktive Tracer und spezielle Geräte benötigt. Nach Unternehmensangaben werden in der EU jährlich rund 400.000 nuklearmedizinische V/Q-Scans durchgeführt. In den USA hat CT:VQ seit September 2025 eine FDA-Zulassung nach dem 510(k)-Verfahren. Zum CE-Zeichen meldete 4DMedical eine Privatplatzierung über 83 Millionen australische Dollar.

Mit SimonMed Imaging schloss das Unternehmen einen Dreijahresvertrag: CT:VQ soll an mehr als 170 ambulanten Radiologiestandorten laufen, abgerechnet pro Scan als Software-as-a-Service. Der Vertrag sei zunächst finanziell nicht wesentlich, bestätige aber den Vertriebsansatz im US-Radiologiemarkt.

Mit Mass General Brigham startet das Programm CLEAR mit 2 Millionen US-Dollar Förderung. Es soll den klinischen Wert von CT:VQ bei Lungenembolie belegen und CT:VQ in den akuten Diagnosepfad bringen. Das Unternehmen schätzt das Marktpotenzial auf rund 2,5 Milliarden US-Dollar bei etwa fünf Millionen CT-Angiografien der Lungenarterien pro Jahr in den USA.

Für contextflow zahlt 4DMedical 18,56 Millionen australische Dollar in bar sowie 56.235 eigene Aktien, dazu kommt ein Earn-out, der unter anderem an 5,8 Millionen Euro Umsatz in Europa im Geschäftsjahr 2028 geknüpft ist. Der Abschluss wird für Ende Juli erwartet und steht unter dem Vorbehalt der österreichischen Behörden. Contextflow bringt ein Team, Bestandskunden, CE-markierte Produkte und Erfahrung mit der EU-Medizinprodukteverordnung (MDR) mit und liefert zudem steuerliche Verlustvorträge von 19 Millionen Euro.

Einordnung

Die Strategie ist schlüssig: erst Zulassung, dann Vertrieb, dann Evidenz. Für Anleger und Wettbewerber zählen aber die Umsatzzahlen, nicht die Marktpotenziale, die auf Annahmen des Unternehmens beruhen. Der SimonMed-Vertrag ist ein Test, ob Preise pro Scan im Radiologiealltag tragen; in Europa hängt vieles an der Erstattung. Ob CT:VQ etablierte Verfahren ersetzt, wird erst die Evidenz aus Programmen wie CLEAR zeigen.

Christian Kloewer

Christian Kloewer

Tech & Startups

Christian Kloewer schreibt bei MIDO Health über Health-Tech, Startups und Finanzierungen. Er kommt aus der Kommunikation und dem Digitalgeschäft und liest Gründungen im Gesundheitswesen mit dem Blick des Machers: Was löst das Produkt, wer bezahlt dafür, und trägt das Modell?

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