Verzerrte Gesundheitsinformationen, sogenannte Zerrbilder, belasten den Praxisalltag und beeinflussen sogar Therapieentscheidungen. Das zeigt ein aktueller Report zu Ärztebefragungen, den eine Kommunikationsagentur vorgelegt hat; die Zahlen stammen damit von einem Anbieter, der Pharmaunternehmen berät. In Deutschland sehen 51 % der Ärztinnen und Ärzte solche Zerrbilder als extreme oder sehr ernste Bedrohung für die öffentliche Gesundheit.
Im internationalen Vergleich berichten 95 % der Befragten von deutlich höherem Beratungsaufwand, weil sie falsche oder falsch verstandene Informationen ausräumen müssen. 88 % haben eine Behandlungs- oder Therapieempfehlung bereits angepasst, weil Patientinnen und Patienten durch irreführende Informationen skeptisch waren. Mehr als die Hälfte der deutschen Befragten sagt, die Herausforderungen im Praxisalltag hätten in den vergangenen zwölf Monaten zugenommen.
Verstärkt wird das durch geringe Gesundheitskompetenz, also die Fähigkeit, Gesundheitsinformationen zu finden, zu bewerten und anzuwenden: Nach einer aktuellen amtlichen Erhebung verfügen rund vier von fünf Erwachsenen in Deutschland höchstens über eine eingeschränkte Gesundheitskompetenz. Etwa zwei Drittel der befragten Ärztinnen und Ärzte sagen, ihre Patienten könnten korrekte und irreführende Informationen schlecht unterscheiden. Für mehr als die Hälfte liegen die Ursachen vor allem in sozialen Medien und Influencer-Kommunikation.
Für Pharmaunternehmen ist das ein Reputationsthema. Viele reagieren auf polarisierende Gesundheitsthemen zurückhaltend und kommunizieren neutral. Die Befragten werten das anders: International reagieren 59 %, in Deutschland 57 % mit Misstrauen, wenn Unternehmen Zerrbilder nicht richtigstellen. Dabei ist laut Report nicht Lautstärke gefragt: Nur etwa jeder Dritte hält eine meinungsstarke Positionierung für nötig, die Mehrheit der deutschen Ärzteschaft bevorzugt eine klare, moderate und zielgerichtete Haltung, die wissenschaftliche Fakten verteidigt.
Das hat Folgen für die Verschreibung: Stehen vergleichbare Therapien zur Wahl, entscheiden sich nach eigenen Angaben 78 % der deutschen Ärztinnen und Ärzte für das Unternehmen mit sichtbarem Engagement. Als Grundlagen für Vertrauen nennen je 36 bis 37 % konkrete Unterstützung der Ärzteschaft und die Richtigstellung wissenschaftlicher Fakten gegenüber der Öffentlichkeit.
Einordnung
Die Zahlen sind Selbstauskünfte aus einer Befragung, die eine Agentur veröffentlicht hat, und gehören entsprechend vorsichtig gelesen. Die Richtung ist dennoch klar: Wer sich im eigenen Indikationsgebiet nicht zu Fehlinformationen äußert, riskiert Vertrauen. Unternehmen sollten relevante Zerrbilder beobachten und gemeinsam mit glaubwürdigen Partnern sachlich reagieren.











