Karin Immenroth, Global Chief Data Officer der Mediaplus Group, sieht den schwierigsten Teil datengetriebener Arbeit erst nach der Analyse. Daten stehen fast allen Unternehmen zur Verfügung, einen Wettbewerbsvorteil bringt erst, wer daraus Entscheidungen ableitet und dafür Prozesse verändert. Für Pharma- und Healthcare-Marketing, in dem Kampagnen heute in Echtzeit ausgewertet werden, ist das eine unbequeme Botschaft.
„Technologie ist immer leicht zu finden“, sagt Immenroth. „Wenn es scheitert, ist es eher der Mensch.“ Neue Anwendungen entstünden fast täglich, Organisationen veränderten sich dagegen deutlich langsamer. Als Bremsen nennt sie starre Zuständigkeiten, Silodenken und eine Kultur, die auf „Wir haben das doch schon immer so gemacht“ setzt, obwohl Daten, IT und Business längst eng verzahnt sind.
Immenroth kennt beide Seiten. Vor rund eineinhalb Jahren wechselte sie zur Mediaplus Group; zuvor verantwortete sie bei RTL Deutschland und Bertelsmann Transformationsprozesse rund um Daten und Technologie. Sie studierte Kommunikationswissenschaften und ergänzte das später um einen Master in Wirtschaftsinformatik. Wer datengetriebene Entscheidungen nutzen wolle, müsse Business und Technik gleichermaßen verstehen, solche Profile seien rar.
Von einem Entweder-Oder aus Bauchgefühl und Daten hält sie wenig: „Man sollte alle Leute und auch die Daten an einen Tisch bringen.“ Transformation lasse sich nicht verordnen, sie sei Führungsaufgabe. Gebraucht würden interdisziplinäre Teams, Freiräume zum Experimentieren und eine Fehlerkultur, die Lernen erlaubt. „Man sollte eine Fehlentscheidung natürlich nicht zweimal treffen“, so Immenroth, doch Irrwege gehörten zum Fortschritt.
Auch bei Künstlicher Intelligenz (KI) setzt sie auf Erfahrung. Generative KI liefere in Sekunden Analysen und Empfehlungen, auch Berufseinsteiger kämen damit schneller zu einer Lösung. Ob diese belastbar ist, welche Annahmen ihr zugrunde liegen und wo ihre Grenzen sind, lasse sich aber nur mit Fachwissen beurteilen. „Erfahrung ist nach wie vor das allergrößte Gut“, sagt sie.
Vertrauen entstehe schließlich nicht durch Tempo, sondern durch Verlässlichkeit: Zusagen einhalten, realistische Zeitpläne nennen, Erwartungen transparent steuern. Der Aufbau einer belastbaren Dateninfrastruktur brauche Zeit.
Einordnung
Immenroths Befund deckt sich mit dem, was viele Health-Tech-Anbieter und Kliniken bei Analyse-Projekten erleben: Die Software ist selten das Problem, die Umsetzung schon. Wer Budgets für Datenwerkzeuge plant, sollte Zeit und Geld für Rollen, Führung und Fehlerkultur gleich mit einplanen.











