Der italienische Pharmahersteller Neopharmed Gentili hat am 1. Oktober 2025 das europäische Geschäft mit ORLADEYO (Wirkstoff berotralstat) von BioCryst Pharmaceuticals übernommen. Das Medikament ist eine Kapsel zur Vorbeugung von Attacken des hereditären Angioödems (HAE), einer seltenen genetischen Erkrankung mit wiederkehrenden, teils schweren Schwellungen. Mit der bestehenden Vertriebsorganisation wird Neopharmed Gentili erstmals außerhalb Italiens mit eigener Struktur sichtbar.
Der Kaufpreis: 250 Mio. US-Dollar im Voraus, dazu bis zu 14 Mio. US-Dollar an Meilensteinzahlungen, die an Umsätze in Mittel- und Osteuropa geknüpft sind. BioCryst wollte den Erlös nach eigenen Angaben nutzen, um Restschulden von rund 249 Mio. US-Dollar zu tilgen und sich auf den US-Markt zu konzentrieren. Neopharmed Gentili mit Sitz in Mailand ist nach eigenen Angaben in Privatbesitz der Familie Del Bono sowie der Investoren Ardian und Renaissance Partners.
Waldemar Heiduk, General Manager der deutschen Gesellschaft, die jetzt zu Neopharmed Gentili gehört, nennt die Region Deutschland, Österreich und Schweiz entscheidend. Man wolle sich langfristig als europäisches Unternehmen für seltene Erkrankungen etablieren und arbeite dazu seit Jahren mit spezialisierten Zentren zusammen.
Die Versorgungslücke ist bekannt: In Deutschland sind rund 1.700 Menschen betroffen, und bis zur richtigen Diagnose können noch immer acht bis zehn Jahre vergehen. Heiduk setzt deshalb auf Fortbildungen für Dermatologen, HNO-Ärzte, teils auch Hausärzte und Internisten sowie auf digitale Diagnose- und Symptom-Tools, die zum Teil mit KI arbeiten.
Zur Pipeline sagt Heiduk, das Unternehmen habe kürzlich einen weiteren HAE-Wirkstoff aufgenommen, der noch in Entwicklung ist. Als Nächstes hoffe man, die Therapie auch für Kinder verfügbar zu machen; zudem unterstütze man junge Forschungsgruppen. Als größte Herausforderung nennt er veränderte Zulassungs- und Erstattungsregeln mit stärker zentralisierten Bewertungen in Europa und schnell wechselnde preispolitische Rahmenbedingungen.
Einordnung
Die Transaktion zeigt, dass Spezialpharma in Europa ganze Vertriebsorganisationen für Orphan-Indikationen (Mittel gegen seltene Erkrankungen) zukauft, statt sie aufzubauen. Ob der Ausbau in der DACH-Region gelingt, hängt an früherer Diagnose und an den Erstattungsentscheidungen, nicht am Kaufpreis.











