Hochschulen sind im DACH-Raum ein messbarer Teil der Start-up-Infrastruktur. Eine Untersuchung der Technischen Universität München, der ETH Zürich und der Universität Innsbruck wertet mehr als 51.000 Gründungen von 2014 bis 2024 aus. Für Health Tech ist besonders relevant: Gesundheit gehört zu den Branchen mit dem höchsten gesamten Finanzierungsvolumen, und promovierte Gründerinnen und Gründer sind hier überdurchschnittlich vertreten.
Die „Entrepreneurial Impact of Academic Institutions 2026“-Studie erfasst 437 Hochschulen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Das Forschungsteam um Isabel Tretow, Philipp Lemanczyk, Theresa Treffers und Isabell Welpe von der TUM sowie Bart Clarysse von der ETH Zürich und Johann Füller von der Universität Innsbruck verknüpfte Daten von StartupDetector, Austrian Startup Monitor, Startupticker.ch, Startup.ch, Dealroom, PitchBook, Crunchbase, LinkedIn und Unternehmenswebseiten.
Bei der absoluten Zahl der Gründungen und noch aktiven Unternehmen liegen ETH Zürich, TUM und Universität St. Gallen vorn. Bei finanzierten Start-ups führt die ETH vor TUM und St. Gallen. Relative Rankings, die Studierendenzahlen oder Personal berücksichtigen, werden dagegen von privaten Wirtschaftshochschulen wie WHU, HHL und ESCP geprägt. Ein einzelner Rang misst daher nicht automatisch die Qualität eines Transferprogramms.
Für den Gesundheitsmarkt zeigt die Studie eine deutliche Schweizer Spezialisierung. Nach Angaben des TUM-Lehrstuhls für Strategie und Organisation entfallen dort rund 26 Prozent der Start-ups auf Gesundheit. Schweizer Hochschulgründungen schaffen zudem besonders viele Arbeitsplätze in Gesundheit und Fintech. Insgesamt ziehen Gesundheit, Unternehmenssoftware und Fintech die höchsten Finanzierungssummen im untersuchten Datensatz an.
Kapital bleibt jedoch stark konzentriert. Mehr als 40 Prozent der finanzierten DACH-Start-ups erhalten weniger als eine Million Euro; nur rund zehn Prozent kommen über 20 Millionen Euro. Etwa 200 Unternehmen überschritten insgesamt 50 Millionen Euro. Die erste Eigenkapitalrunde folgt im Durchschnitt etwa 1,3 Jahre nach Gründung.
Auch Gründerbiografien sprechen gegen die Vorstellung vom direkten Sprung aus dem Hörsaal. Im Mittel vergehen rund sechs Jahre zwischen Abschluss und Unternehmensgründung, obwohl 37 Prozent innerhalb der ersten zwei Jahre starten. Die meisten Gründerinnen und Gründer besitzen einen Masterabschluss. Promotionen sind laut TUM-Auswertung besonders häufig bei finanzierten Unternehmen und forschungsintensiven Bereichen wie Gesundheit und Biotechnologie vertreten; die englischsprachigen Studienangaben wurden hier ins Deutsche übertragen.
Einordnung
Für Kliniken, Investoren und Transferstellen ist nicht nur die Zahl neuer Firmen entscheidend. In Health Tech bestimmen Zugang zu klinischer Validierung, regulatorischer Kompetenz, geistigem Eigentum und langfristigem Kapital, ob Forschung in Versorgung übergeht. Die Studie zeigt, wo solche Ökosysteme entstehen, ersetzt aber keine Prüfung der medizinischen Evidenz einzelner Ausgründungen.











