Laut WHO im Weekly Epidemiological Record No. 101(38) vom 29. September 2026 meldeten 47 Länder für 2025 insgesamt 451.499 Cholera‑Fälle und 7.870 Todesfälle. Damit stiegen die gemeldeten Todesfälle gegenüber 2024 um etwa 31 Prozent und erreichten den höchsten jährlichen Stand seit 1999.
Die WHO weist darauf hin, dass die Belastung stark konzentriert ist: sieben Länder — Angola, Bangladesch, Demokratische Republik Kongo, Nigeria, Südsudan, Sudan und Jemen — machten laut Bericht etwa 89% der gemeldeten Fälle und 91% der gemeldeten Todesfälle aus. In der Afrikanischen WHO‑Region stiegen die gemeldeten Fälle um rund 34% und die Todesfälle um etwa 58% im Vergleich zu 2024.
Die Analyse nennt zugleich erhebliche Lücken in der Surveillance, also der systematischen Überwachung von Krankheitsfällen, und in der Sterblichkeitsberichterstattung: bei den Ländern, die Angaben zum Sterbeort meldeten, entfielen 22,7% der gemeldeten Todesfälle auf die Community — Todesfälle also außerhalb von Gesundheitseinrichtungen. Die WHO betont, dass die facility‑based Case‑Fatality‑Rate, also die Sterblichkeitsrate in Gesundheitseinrichtungen, dort, wo sie berechnet werden konnte, unter 1% lag. Das weist auf mangelhaften Zugang zu schneller Rehydratation sowie auf Erfassungs‑ und Meldeprobleme hin.
Bei Gegenmaßnahmen verbesserte sich die Vakzinversorgung: die weltweite Jahresproduktion oraler Choleraimpfstoffe stieg von rund 30 Millionen Dosen (2022) auf etwa 80 Millionen Dosen (2025). Die Internationale Koordinierungsgruppe (ICG; International Coordinating Group on Vaccine Provision) bewilligte laut WHO 71 Millionen Dosen, inklusive 20 Millionen Dosen für präventive Kampagnen.
Was bedeutet das für Health‑Tech und Investoren? Priorität haben Lösungen, die die Sterblichkeit direkt adressieren: erstens Erfassung des Sterbeorts und schneller Abgleich mit lokalen Versorgungslücken; zweitens offline‑fähige Apps mit standardisierten Feldern, Interoperabilität und Offline‑Sync für Community‑Health‑Worker; drittens einfache Decision‑Support‑Algorithmen für Triage, orale Rehydratation und Eskalation. Danach folgen digitale Lager‑ und Lieferkettenlösungen für OCV‑Logistik, also die Planung und Zuteilung oraler Choleraimpfstoffe. Die WHO benennt fehlende Angaben zu Sterbeort, lückenhafte Labortest‑ und Meldedaten sowie variable Nachverfolgbarkeit als Probleme, die digitale Systeme nicht allein lösen, aber messbar reduzieren können.
Service
Publikation: Weekly Epidemiological Record No. 101(38), 29. September 2026. Herausgeber und Ort: World Health Organization, Geneva, Switzerland. Kosten: kostenfrei. Direktlink: WHO Weekly Epidemiological Record No. 101(38), 29.09.2026
Einordnung
Kurzfristig schaffen digitale Werkzeuge für Surveillance, Triage und Supply‑Chain messbaren Mehrwert, wenn sie Melde‑ und Reaktionszeiten verkürzen und Versorgungslücken sichtbar machen. Langfristig bleiben Investitionen in Wasser, Sanitär‑ und Hygienesysteme (WASH) sowie personelle Kapazitäten entscheidend, um Sterblichkeit nachhaltig zu senken.











