Menschen mit metastasiertem Darmkrebs können von einer Palliativversorgung profitieren, die parallel zur systemischen Krebstherapie angeboten wird. In einer retrospektiven Kohortenstudie war diese Begleitung mit weniger Schmerzen und emotionaler Belastung, einer höheren Übereinstimmung zwischen Behandlungszielen und Patientenwünschen sowie weniger ungeplanten Krankenhausaufnahmen verbunden. Einen statistisch gesicherten Überlebensvorteil zeigte die Untersuchung nicht.
Ausgewertet wurden 201 Patientinnen und Patienten, die zwischen Januar 2023 und Januar 2025 an einem Zentrum in China eine systemische Therapie erhielten. 69 von ihnen bekamen zusätzlich Unterstützung durch ein multidisziplinäres Palliativteam, 132 wurden ausschließlich nach dem üblichen Standard behandelt. Die palliative Betreuung ersetzte die Tumortherapie nicht, sondern ergänzte sie unter anderem durch Symptomkontrolle, psychosoziale Unterstützung und Gespräche über Therapieziele.
In der Gruppe mit Palliativversorgung sank die Schmerzintensität im Median um zwei Punkte, gegenüber 0,5 Punkten in der Vergleichsgruppe. Der Unterschied zwischen den Gruppen betrug 1,5 Punkte und lag damit unter der häufig verwendeten Schwelle von zwei Punkten für eine klinisch deutlich wahrnehmbare Veränderung. Dokumentierte emotionale Belastung trat bei 27,5 Prozent der palliativ betreuten Personen auf, in der Vergleichsgruppe bei 47,0 Prozent.
Besonders deutlich war der Unterschied bei der Abstimmung der Versorgung: Bei 89,9 Prozent der zusätzlich betreuten Patientinnen und Patienten stimmten dokumentierte Behandlungsziele und geäußerte Wünsche überein. Ohne palliative Begleitung waren es 52,3 Prozent. Auch der globale Gesundheitsstatus fiel bei den Personen mit verfügbaren Lebensqualitätsdaten besser aus. Diese Daten lagen allerdings nur für 112 der 201 Teilnehmenden vor.
Die zusätzliche Betreuung war zudem mit einer geringeren Inanspruchnahme akuter Versorgung verbunden. Die Betroffenen hatten im Median eine statt zwei ungeplante Wiederaufnahmen und keine statt einer Notaufnahmebehandlung. Unter den Verstorbenen erhielten 13,5 Prozent in den letzten 30 Lebenstagen noch eine Chemotherapie; in der Vergleichsgruppe waren es 40,4 Prozent. Neue Intensivaufnahmen in den letzten 14 Tagen traten ebenfalls seltener auf. Bei schweren therapiebedingten Nebenwirkungen ergab sich dagegen kein signifikanter Unterschied.
Das mediane Gesamtüberleben lag bei 19,1 Monaten mit und 18,3 Monaten ohne zusätzliche Palliativversorgung. Nach statistischer Anpassung blieb der Unterschied nicht signifikant. Die Ergebnisse sprechen daher vor allem für eine bessere Symptomkontrolle und eine stärker an den Wünschen der Erkrankten ausgerichtete Versorgung, nicht für eine Verlängerung des Lebens.
Für Kliniken liegt der praktische Ansatz in festen Überweisungspfaden: regelmäßiges Symptom-Screening, definierte Auslöser für eine palliativmedizinische Mitbetreuung und frühzeitige Gespräche über Ziele und Belastungsgrenzen. Die Studie kann jedoch keine Ursache-Wirkungs-Beziehung belegen. Sie stammt aus nur einem Zentrum, die Gruppen unterschieden sich bereits zu Beginn, und Zeitpunkt, Häufigkeit sowie Dauer der palliativmedizinischen Kontakte wurden nicht systematisch erfasst.
Einordnung: Die Daten stützen die Empfehlung, Palliativversorgung bei fortgeschrittener Krebserkrankung nicht erst in der letzten Lebensphase einzusetzen, sondern mit der Tumortherapie zu verzahnen. Wie früh und in welcher Intensität sie den größten Nutzen bringt, müssen prospektive Studien klären.











