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Marathon und Hitze: Ärztin fordert einheitliche Medizindaten für Großläufe

Die Sanitätsdaten der Rennen sind fragmentiert; eine UCSF-Ärztin plädiert für einen gemeinsamen Datenstandard, um Ressourcen und Schutzmaßnahmen planbar zu machen.

By Dr. med. Alvar MollikPosted 2. Oktober 2026

Wenn Großläufe in einem wärmeren Klima stattfinden, fehlt ihnen nach Ansicht der UCSF-Ärztin Vibhu Krishna eine gemeinsame Datengrundlage für die medizinische Planung. Krishna, Assistenzärztin für Arbeits-, Umwelt- und Klimamedizin, schildert in einem Gastbeitrag vom 2. Oktober 2026 (aus dem Englischen übersetzt) den New York City Marathon vom 6. November 2022, einen Rekord-Hitzetag: Das Sanitätszelt am Ziel füllte sich, ein Läufer wurde zunächst falsch eingestuft, obwohl seine orale Temperatur bei 107 Grad Fahrenheit (rund 41,7 Grad Celsius) lag. Die einzige Kaltwasserwanne war belegt, der Elektrolytanalysator überlastet, alle Überwachungsmonitore im Einsatz, und das Team musste Geräte rationieren. Niemand starb, Krishna führt das auf den Einsatz Tausender Freiwilliger zurück.

Ein Problem mit Zahlen

Die Autorin ordnet das nicht als Einzelfall ein: Beim Brooklyn Half Marathon 2022 kamen 16 Teilnehmende ins Krankenhaus; der New York City Marathon hatte im Vorjahr fast 60.000 Zieleinläufer. Rennen reagieren bereits mit Warnflaggen, früheren Startzeiten, verschobenen Terminen oder Absagen. Grandma’s Marathon in Minnesota hat nach früherem Start und einem zusätzlichen Halbmarathon einen Rückgang der Sanitätszelt-Nutzung veröffentlicht. Bei den Olympischen Spielen in Tokio machten hitzebedingte Erkrankungen laut Krishna 96 Prozent der Aufnahmen in den Sanitätszelten bei Marathon und Gehen aus; es waren die ersten Sommerspiele, die epidemiologische Daten wie Diagnosen, Kerntemperaturen und Zeit bis zur Kühlung veröffentlichten.

Der Los Angeles Marathon erlaubte am 8. März 2026 wegen der Hitze, Medaillen schon bei Meile 18 abzuholen. 985 der 23.374 Starter (4,5 Prozent) nutzten das. Es gab 652 Fälle von Verletzung oder Erkrankung, 16 Transporte ins Krankenhaus und keine Todesfälle. Krishna merkt an, dass solche Zahlen nur bekannt sind, weil Veranstalter sie teilen. Sie sagen aber nicht, ob die Fälle wegen oder trotz der Meile-18-Option auftraten.

Die Forderung

Medizinische Betreuung vergeben viele Veranstalter an Dritte, ohne gemeinsamen Standard dafür, was erfasst wird; manche nutzen digitale Systeme, andere Papier. Städtische Genehmigungen verlangen die Erfassung selten. Krishna fordert, dass Veranstalter mit Einwilligung de-identifizierte Behandlungsdaten gegen Klima- und Rennvariablen auswerten, so dass sich Bedarf an Eis, Personal und Geräten vorhersagen lässt. Folgten alle World Marathon Majors, mit zusammen über 300.000 Läufern im Vorjahr, entstünde ein Standard für den ganzen Sport.

Einordnung: Der Vorschlag ist ein Datenproblem: Einheitlich erfasste Sanitätsdaten würden Einsatzplanung und Prognosen ermöglichen. Voraussetzung wären verbindliche Standards und die Einwilligung der Läufer, die Genehmigungsbehörden mit ihren Auflagen setzen könnten. Ob daraus ein Markt für Dienstleister entsteht, ist offen.

Dr. med. Alvar Mollik

Dr. med. Alvar Mollik

Medizin

Dr. med. Alvar Mollik ist HNO-Facharzt, Gründer von Mindful Doctor und Herausgeber des Buches „Mindful Doctor“. Bei MIDO Health schreibt er über Medizin, Versorgung und die Frage, wie Ärztinnen und Ärzte in einem sich wandelnden System gesund führen können.

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