Das US-Health-Tech-Unternehmen AKASA hat eine autonome KI-Plattform für stationäres Medical Coding und Clinical Documentation Integrity (CDI, Verbesserung der klinischen Dokumentation) vorgestellt. Sie soll komplexe stationäre Fälle über alle Fachgebiete hinweg ohne menschliche Eingriffe kodieren. Verfügbar sein soll die Plattform in den kommenden Monaten, nach internen Tests und einer Evaluierung mit einem Partner aus dem Kreis der Gesundheitssysteme.
Medical Coding übersetzt Diagnosen und Behandlungen eines Krankenhausaufenthalts in standardisierte Codes, auf deren Grundlage in den USA abgerechnet wird. Nach Unternehmensangaben vergibt die Software die Codes etwa 90 Sekunden nach der Entlassung. Ein typischer stationärer Aufenthalt umfasst rund 60 Dokumente mit zusammen etwa 50.000 Wörtern, die dafür ausgewertet werden. In Deutschland entspricht das grob der Kodierung von Diagnosen und Prozeduren, die die DRG-Abrechnung bestimmen; die US-Systematik ist jedoch eine andere.
Zur Qualität nennt AKASA Ergebnisse unabhängiger, verblindeter Prüfungen: Die KI habe bei Maßen wie der Zuordnung der MS-DRG (der Fallgruppe, die die Vergütung bestimmt), der Hauptdiagnose, der Erfassung klinischer Qualitätsmerkmale und der Kennzeichnung bei Aufnahme vorhandener Erkrankungen mindestens das Niveau menschlicher Kodierer erreicht. Getestet wurde an Fällen, die 65 bis 85 Prozent des stationären Volumens der Gesundheitssysteme abbilden. Das sind Herstellerangaben.
Als Partner nennt AKASA die Cleveland Clinic. Rohit Chandra, Chief Digital Officer der Klinik, sagt (übersetzt), der Erlöszyklus sei besonders zeitaufwendig, weil die Klinik viele medizinisch komplexe Patienten versorge; mit autonomem Coding wolle man Geschwindigkeit und Präzision in diesen anspruchsvollen Prozessen verbessern.
Die Kunden von AKASA repräsentieren nach Firmenangaben über 180 Milliarden US-Dollar Netto-Patientenerlöse und rund 10 Prozent der stationären Entlassungen in den USA. Das verarbeitete stationäre Volumen sei im vergangenen Jahr um fast das Sechsfache gewachsen. CEO und Mitgründer ist Malinka Walaliyadde. Preise nennt das Unternehmen nicht, ebenso wenig einen genauen Starttermin.
Einordnung
Der Schritt vom Assistenzsystem zur vollständig autonomen Kodierung ist der eigentliche Einschnitt: Bisher prüfen Menschen in der Regel die Vorschläge der Software. Entscheidend wird sein, wie sich Fehlerraten und Abrechnungsrisiken bei Prüfungen durch Kostenträger auswirken, denn Falschkodierungen haben unmittelbar finanzielle Folgen. Die Zahlen stammen von AKASA selbst; belastbar werden sie erst durch Referenzkunden, die Ergebnisse veröffentlichen.











