Im US-Bundesstaat Ohio entscheidet sich bei der Gouverneurswahl am 3. November auch, wie viel Vertrauen Wähler Medizin und Public Health noch schenken. Die Demokratin Amy Acton, Ärztin und frühere Gesundheitsdirektorin des Staates, tritt gegen den Republikaner Vivek Ramaswamy an, den Gründer und ehemaligen Chef des Biotech-Konzerns Roivant Sciences. Ein Bericht aus Cleveland (aus dem Englischen übersetzt und zusammengefasst) beschreibt, wie beide um Wähler werben – und wie Acton gezielt Impfskeptiker anspricht.
Acton war Gesundheitsdirektorin, als die Pandemie Anfang 2020 Ohio erreichte. Auf Wunsch von Gouverneur Mike DeWine erließ sie Anordnungen zu Schulschließungen, Betriebsschließungen und Einschränkungen von Veranstaltungen. Ohio lag im ersten Pandemiejahr bei der Sterberate pro Kopf auf Rang 22 der US-Staaten. Acton verließ das Amt noch im Verlauf des Jahres 2020.
Ramaswamy war zu jener Zeit Chef von Roivant. Er unterstützte Impfungen und Masken persönlich, lehnte staatliche Vorgaben aber ab. Eine Roivant-Tochter, Genevant, war in einen Patentstreit mit Moderna über Covid-Impfstofftechnologie verwickelt, der mit einem Vergleich über 2,2 Milliarden US-Dollar endete. Im Wahlkampf stellt Ramaswamy die Debatte als Wahl zwischen Freiheit und Lockdowns dar; DeWine hat die Entscheidungen als seine eigenen verteidigt: Er habe Acton angewiesen, die Anordnung zu erlassen.
Bemerkenswert ist die Strategie im Wahlkampf: Mütter, die Impfungen ablehnen, erscheinen laut dem Bericht bei Actons Veranstaltungen, weil sie die Kandidatin persönlich mögen. Acton setzt dort auf Beziehung statt auf Konfrontation. Damit verfolgt sie eine Kommunikationsstrategie, die auch für Ärztinnen und Praxen relevant ist: Skepsis lässt sich selten mit Zahlen allein auflösen.
Warum das über Ohio hinaus zählt
Gesundheitsthemen entscheiden in den USA zunehmend über politische Lager. Wer das Gesundheitsressort eines Bundesstaates führt, beeinflusst Impfquoten, Medicaid-Programme und das Umfeld für Digital-Health-Anbieter. Zugleich zeigt der Fall Ramaswamy, dass Biotech-Unternehmer direkt in politische Ämter drängen.
Einordnung: Die Wahl in Ohio ist ein Stimmungstest dafür, ob Pandemie-Entscheidungen sechs Jahre später noch mobilisieren – und ob Vertrauensarbeit gegen Impfskepsis politisch trägt. Für Anbieter im US-Markt sind die gesundheitspolitischen Linien des künftigen Gouverneurs ein Standortfaktor. Belastbare Umfragewerte lagen für diesen Beitrag nicht vor; der Ausgang ist offen.











