Health-Tech

aitiologic: Wiener Startup holt 6,4 Millionen Euro für Präeklampsie-Test

Das Unternehmen will aus der routinemäßigen Blutprobe der Pränataldiagnostik das Präeklampsie-Risiko im ersten Schwangerschaftsdrittel ablesen.

By Christian KloewerPosted 17. September 2026

Das Wiener Startup aitiologic hat eine überzeichnete Seed-Runde über 6,4 Millionen Euro abgeschlossen. Angeführt wird sie vom Berliner HealthTech-Investor Heal Capital und von Ananda Impact Ventures aus München; die bestehenden Geldgeber PUSH und LANA Ventures sind erneut dabei, als Investor kommt Gordon Sanghera neu hinzu. Das Kapital soll die Entwicklung der Plattform Aitios® finanzieren, einer Liquid-Biopsy-Lösung, also einer Analyse von Blutproben statt Gewebeproben.

Präeklampsie ist eine Schwangerschaftserkrankung, die mit Bluthochdruck einhergeht und für Mutter und Kind gefährlich werden kann. Je früher das Risiko erkannt wird, desto eher lässt sich gegensteuern. Aitios® wertet in einer Blutprobe zellfreie DNA aus, also Erbgutfragmente, die im Plasma zirkulieren. Die Plattform kombiniert genomische, epigenomische und fragmentomische Signale, also Informationen zur Sequenz, zu chemischen Markierungen und zur Länge und Lage der Fragmente, und lässt sie von KI-Modellen auswerten, um das Ursprungsgewebe der DNA zu bestimmen.

Das erste Produkt, Aitios® NIPPT, nutzt Proben der nicht-invasiven Pränataltests (NIPT), die Schwangere ohnehin im ersten Trimester erhalten, für eine Risikostratifizierung ohne zusätzlichen Eingriff.

Gegründet wurde aitiologic 2023, an der Spitze steht Gründer Andreas Posch. Die patentierte Technologie hat das Unternehmen von Siemens Healthineers lizenziert. Eine frühere Machbarkeitsstudie des Londoner Fetalmediziners Kypros Nicolaides zeigte nach Unternehmensangaben, dass sich das Präeklampsie-Risiko aus Blutproben des ersten Trimesters einordnen lässt. Aktuell läuft eine Validierung mit der Fetal Medicine Foundation, die mehr als 1.000 Schwangerschaften umfasst. Neu im Team sind die Gynäkologin Rebecca Ertl als Chief Medical Officer und Gordon Sanghera, Mitgründer und früherer Chef von Oxford Nanopore, als Beiratsmitglied.

Auf der Unternehmensseite nennt aitiologic unter anderem Siemens Healthineers, das King’s College London und die Fetal Medicine Foundation als Partner sowie die Startup-Programme AWS Startups und NVIDIA Inception. Gefördert wird das Unternehmen von Austria Wirtschaftsservice, FFG, Wirtschaftsagentur Wien und der EU. Sitz ist Wien.

Einordnung: Entscheidend ist die laufende Studie: Erst wenn Sensitivität und Spezifität des Tests in einer unabhängigen Kohorte belegt sind, lässt sich sein klinischer Nutzen beurteilen. Hinzu kommen Zulassung und die Frage, wer die Kosten im Regelbetrieb trägt.

Christian Kloewer

Christian Kloewer

Tech & Startups

Christian Kloewer schreibt bei MIDO Health über Health-Tech, Startups und Finanzierungen. Er kommt aus der Kommunikation und dem Digitalgeschäft und liest Gründungen im Gesundheitswesen mit dem Blick des Machers: Was löst das Produkt, wer bezahlt dafür, und trägt das Modell?

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