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PubMed bekommt „Linked Discoveries“: NIH will Reproduzierbarkeit sichtbar machen

Eine neue Schaltfläche zeigt das Forschungsumfeld einer Studie und soll belegen, wie gut sie sich seither bewährt hat.

By Dr. med. Alvar MollikPosted 25. September 2026

Die US-Gesundheitsbehörde National Institutes of Health (NIH) hat ihre Literaturdatenbank PubMed um die Funktion „Linked Discoveries“ erweitert. Eine neue Schaltfläche zeigt das Umfeld einer Arbeit, von der NIH als „Nachbarschaft“ der Forschung bezeichnet, und soll einen besseren Eindruck davon geben, wie sich ein Befund seit der Veröffentlichung bewährt hat. NIH-Direktor Jay Bhattacharya stellte das Update in seinem ersten Pressebriefing seit Amtsantritt vor. Die Angaben sind übersetzt.

Bhattacharya ordnet die Neuerung in seinen Plan einer „zweiten wissenschaftlichen Revolution“ ein. Ziel ist mehr Strenge und Reproduzierbarkeit der Forschung, die die Behörde finanziert. Den Hintergrund bildet die Replikationskrise: Viele veröffentlichte Ergebnisse lassen sich in Folgestudien nicht bestätigen. Bhattacharya hat bereits erwogen, ein Journal für negative Ergebnisse zu schaffen, Teams für Replikationsstudien zu finanzieren und neue Erfolgsmaße einzuführen, die Zusammenarbeit und Sorgfalt belohnen.

Die NIH führen das Thema inzwischen als behördenweite Initiative. Auf der Seite der Behörde finden sich neben Linked Discoveries ein Replikationspreis („Shaping the Future of Rigorous Science“), ein Programm des Common Fund mit dem Titel „Replication to Enhance Research Impact Initiative“ sowie Förderausschreibungen zu Strenge, Replizierbarkeit und Reproduzierbarkeit in den biomedizinischen und Verhaltenswissenschaften. Die Behörde nennt drei Säulen: wirksame Replikationsarbeit durch Datenteilung und offenen Zugang, Anreize im gesamten Forschungssystem und eine Infrastruktur, die Reproduzierbarkeit als eigene wissenschaftliche Disziplin verankert.

Das Briefing fand nach einem schwierigen Wochenende statt: Bhattacharya hatte laut Berichten ein angespanntes Treffen im Weißen Haus zu einer möglichen Verfügung, die der Behörde mehr politische Kontrolle auferlegen würde.

Über Linked Discoveries hat Bhattacharya selbst in der Fachzeitschrift Science geschrieben.

Einordnung: PubMed ist das Standardwerkzeug für Evidenzsuche in Klinik, Pharma und Health-Tech, und jede Änderung dort prägt, wie Befunde bewertet werden. Eine Anzeige für das Umfeld einer Studie könnte Anbietern von Literatursuche und Evidenzplattformen einen Maßstab setzen. Offen ist, wie Replikation gemessen wird und wer darüber entscheidet. Ob der Anspruch einer wissenschaftlichen Revolution trägt, entscheidet sich an Mittelvergabe und Methodik, nicht an einer Schaltfläche.

Dr. med. Alvar Mollik

Dr. med. Alvar Mollik

Medizin

Dr. med. Alvar Mollik ist HNO-Facharzt, Gründer von Mindful Doctor und Herausgeber des Buches „Mindful Doctor“. Bei MIDO Health schreibt er über Medizin, Versorgung und die Frage, wie Ärztinnen und Ärzte in einem sich wandelnden System gesund führen können.

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