Das Wiener Biotech-Unternehmen Proxygen hat Chiara Conti zur Chief Scientific Officer (CSO) ernannt, die Meldung stammt vom 31. März 2026. Conti kommt von Blueprint Medicines, wo sie zuletzt als Senior Director arbeitete. Sie soll die Pipeline des Unternehmens Richtung klinische Entwicklung führen. Die Angaben sind übersetzt.
Proxygen entwickelt sogenannte Molecular-Glue-Degrader. Das sind kleine Moleküle, die ein krankheitsrelevantes Protein mit einem Enzym der zelleigenen Müllabfuhr verbinden, sodass die Zelle das Protein abbaut, statt es nur zu hemmen. Nach eigenen Angaben hat das Unternehmen in fünf Jahren eine der fortgeschrittensten Entdeckungsplattformen für solche Moleküle aufgebaut und weitet sein Feld nun auf „Induced Proximity“ aus, also Wirkstoffe, die zwei Moleküle gezielt zusammenbringen, auch über den reinen Proteinabbau hinaus.
Conti bringt Erfahrung aus dem Übergang von der Forschung in die Entwicklung mit. Bei Blueprint hat sie nach Unternehmensangaben innerhalb von sieben Jahren vier Entwicklungskandidaten identifiziert, zwei davon mit verkürzten Zeitplänen bis zum IND-Antrag (dem Antrag auf Genehmigung erster Studien am Menschen) gebracht und zwei klinische Phase-I-Programme begleitet. Außerdem baute sie dort die Plattform für gezielten Proteinabbau samt frühem Portfolio auf. Sie reize vor allem die Möglichkeit, die Plattform über den Abbau hinaus zu erweitern und zugleich das bestehende Portfolio in die Klinik zu bringen.
Wirtschaftlich stützt sich Proxygen auf Lizenzpartnerschaften mit großen Pharmakonzernen. Boehringer Ingelheim war 2020 der erste Partner, finanzielle Details blieben offen. Mit Merck KGaA folgte im Juni 2022 eine Vereinbarung über 554 Millionen US-Dollar. Am 5. April 2023 schloss Proxygen einen Vertrag mit Merck & Co. (außerhalb der USA und Kanadas als MSD tätig) über eine nicht genannte Vorauszahlung plus bis zu 2,55 Milliarden US-Dollar an möglichen Meilensteinzahlungen. Solche Summen werden nur bei Erreichen von Entwicklungsschritten fällig und sind keine garantierten Einnahmen.
Einordnung
Nach drei Lizenzdeals in kurzer Folge zählt für Proxygen, ob aus Partnerprogrammen belastbare klinische Kandidaten werden. Mit einer Forschungschefin, die den Schritt in die Klinik bei Blueprint mitgestaltet hat, setzt das Unternehmen auf Translationserfahrung statt auf weitere reine Plattformforschung. Ob das gelingt, entscheidet sich an den ersten Studienanträgen, die bislang nicht angekündigt sind.











