Forschende der Goethe-Universität Frankfurt haben ein digitales Toolkit für nachhaltigere Hausarztpraxen erarbeitet. Es umfasst 13 Themenbereiche mit 132 Handlungsempfehlungen, ist auf einer kostenlosen Internetseite abrufbar und enthält eine Einschätzung des jeweiligen CO₂-Einsparpotenzials. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) hat das Vorhaben mit rund 125.000 Euro gefördert.
Nach Angaben eines Expertenrats der Bundesregierung verursacht das Gesundheitssystem in Deutschland etwa fünf Prozent beziehungsweise knapp 35 Millionen Tonnen der klimaschädlichen Emissionen. Das Team um Catriona Friedmacher und Dorothea Lemke hat die Empfehlungen auf Basis systematischer Literaturrecherchen erstellt; medizinische Expertise sollte für Alltagstauglichkeit sorgen.
Wo die Hebel liegen
Der größte Hebel liegt nach Friedmachers Einschätzung bei Medikamenten: Je nach Situation entstünden 60 bis 90 Prozent der CO₂-Emissionen einer Hausarztpraxis in der Pharmakotherapie, vor allem durch Herstellung und Lieferketten der Arzneimittel. Andere Auswertungen nennen mit 10 bis 32 Prozent deutlich niedrigere Anteile; die Zahlen hängen von der Abgrenzung ab. Wichtige Stellschrauben sind in jedem Fall der zielgerichtete Einsatz von Medikamenten, evidenzbasiertes Verschreiben und die regelmäßige Überprüfung der Dauertherapie. Das Ziel sei, so Friedmacher, neben dem CO₂-Fußabdruck auch Qualität und Sicherheit der Versorgung zu verbessern.
Als Beispiel nennt der DBU-Referent Alexander Bittner Asthma-Inhalatoren: Klassische Dosieraerosole arbeiten mit Treibgas, Pulverinhalatoren verursachen bei Herstellung und Anwendung deutlich weniger klimaschädliche Emissionen und sind ebenso wirksam. Nach Angaben der Forscherinnen lassen sich beim Wechsel pro Patient und Inhalator Emissionen im Umfang von etwa zwei Kurzstreckenflügen sparen. Als Hemmnisse gelten fehlendes Bewusstsein und fehlende Schulung im Team, knappe Zeit und begrenzte Mittel für umweltfreundliche Produkte; als Vorteile niedrigere Kosten und ein besserer Teamzusammenhalt.
Einordnung
Das Toolkit senkt die Einstiegshürde: Praxen bekommen priorisierte Maßnahmen statt allgemeiner Appelle. Der politische Hebel liegt aber anderswo, vor allem bei Verordnungsvorgaben und Vergütung. Für Anbieter digitaler Praxissoftware ist das Thema relevant, weil Nachhaltigkeit im Praxisalltag zunehmend auch über digitale Werkzeuge organisiert wird.











