Startups

Cerebri aus Tübingen bringt EEG-Befundung per Telemedizin in die Fläche

Zwei Neurologen wollen mit einfach anzulegenden EEG-Hauben und Cloud-Auswertung die Lücke bei Hirnstrom-Messungen schließen.

By Christian KloewerPosted 29. Dezember 2025

Das Tübinger Startup Cerebri will Elektroenzephalografie (EEG) überall verfügbar machen. Das Verfahren misst die Hirnströme und dient etwa der Abklärung von Bewusstseinsstörungen, Epilepsie oder Demenzen. Cerebri kombiniert dafür leicht anzulegende EEG-Hauben mit einer Befundung durch Neurologen über eine gesicherte Cloud-Plattform. Standorte ohne eigene EEG-Expertise sollen so binnen weniger Minuten Ergebnisse erhalten.

Hinter dem Unternehmen stehen die beiden Neurologen Justus Marquetand und Johannes Lang. Das Team zählt fünf Personen. Die Gründer beschreiben ihr Ziel so: Diagnostik rund um die Uhr per Telemedizin, auch dort, wo Fachwissen fehlt.

Die Versorgungslücke

Nach Darstellung der Gründer, hier als Selbstauskunft wiedergegeben, werden in deutschen Kliniken jährlich etwa zwei Millionen EEGs aufgezeichnet, der Bedarf liege mindestens doppelt so hoch. Vielen Häusern fehlt qualifiziertes Personal zur Auswertung, vor allem nachts und am Wochenende. Die Aufzeichnungen werten Fachärzte aus der Ferne aus. Bei Bedarf kommt eine konsiliarische Beratung der Behandelnden hinzu, und Cerebri vermittelt handhabbare EEG-Systeme. Die Ergebnisse können datenschutzrechtlich abgesichert für Patienten, Hausärzte und andere Berechtigte zugänglich gemacht werden, in der Praxis oder zu Hause.

Cerebri arbeitet bislang mit Modellkliniken zusammen; die neurologische Abteilung des Klinikums Rosenheim sollte das System bis Ende 2025 einführen. Finanziert wird das Unternehmen derzeit über Eigenkapital und Fördermittel. Die Gründer wollen später eine unterstützende KI für die Auswertung entwickeln, die Fachleute unterstützen und nicht ersetzen soll. Beim Ideenwettbewerb Science2Start der BioRegion STERN belegte das Konzept 2023 Platz zwei.

Zu Preisen, Erstattung und Fallzahlen nennen die vorliegenden Angaben nichts. Auch ob Krankenkassen die Telebefundung bislang vergüten, bleibt offen.

Einordnung

Das Konzept setzt an einem klar umrissenen Engpass an: Es fehlt nicht an Geräten, sondern an Befundern. Das spricht für Nachfrage bei kleinen Kliniken. Für Investoren zählen aber Vergütungsweg, Haftung bei Ferndiagnosen und der Nachweis, dass einfach gesetzte Hauben vergleichbare Qualität liefern. Bis dahin ist Cerebri ein Pilotprojekt mit plausiblem Bedarf.

Christian Kloewer

Christian Kloewer

Tech & Startups

Christian Kloewer schreibt bei MIDO Health über Health-Tech, Startups und Finanzierungen. Er kommt aus der Kommunikation und dem Digitalgeschäft und liest Gründungen im Gesundheitswesen mit dem Blick des Machers: Was löst das Produkt, wer bezahlt dafür, und trägt das Modell?

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