Finanzierung

Enua erhält 25 Millionen Euro Kredit der Deutschen Bank für Medizinalcannabis

Der Kölner Anbieter wächst im Cannabis-Markt, während die Bundesregierung Telemedizin und Versand einschränken will.

By Christian KloewerPosted 4. Februar 2026

Der Kölner Medizinalcannabis-Anbieter Enua hat eine Finanzierung über 25 Millionen Euro mit der Deutschen Bank abgeschlossen, laut Meldung bis zum 2. Februar 2026. Es handelt sich um Fremdkapital, die Gesellschafter werden also nicht verwässert. Das Geld soll in operatives Wachstum und mögliche Unternehmenszukäufe fließen. Zugleich beraten Bundesregierung und Bundestag über Regeln, die das Geschäft mit Medizinalcannabis in Deutschland verändern würden.

Enua beschreibt sich als integrierten Anbieter von Medizinalcannabis-Produkten und deren Vertrieb. Für 2025 nennt das Unternehmen einen Umsatz von mehr als 50 Millionen Euro, das 2,4-Fache des Vorjahres. Der Absatz liege bei rund 15 Tonnen über die Marken ENUA und SLOUU, allein im Dezember bei etwa zwei Tonnen. Die EBITDA-Marge, also das Betriebsergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen im Verhältnis zum Umsatz, sei zweistellig. In einem Branchenranking für Cannabisblüten belegt das Unternehmen nach eigenen Angaben 2025 Platz eins und zwei. Es sind Angaben des Unternehmens, nicht geprüft.

Als Expansionsziele nennt Enua den Eintritt in den britischen Markt im ersten Quartal 2026 und Polen gegen Ende 2026.

Der regulatorische Rahmen

Das Marktumfeld ist politisch beweglich. Das Bundeskabinett beschloss am 8. Oktober 2025 einen überarbeiteten Entwurf, der die Verschreibung von Medizinalcannabis an einen persönlichen Kontakt zwischen Ärztin oder Arzt und Patient knüpft. Reine Videosprechstunden wären für die Erstverschreibung ausgeschlossen. Außerdem soll der Versand per Apothekenpost untersagt werden. Nur Patienten mit eingeschränkter Mobilität könnten per Botendienst der Apotheke mit pharmazeutischem Personal beliefert werden. Die Bundesregierung begründet das mit Patientensicherheit und dem Suchtpotenzial. Der Bundestag hat den Entwurf am 18. Dezember 2025 in erster Lesung beraten; die weiteren Lesungen werden für das Frühjahr 2026 erwartet. Kritiker sehen einen Widerspruch, weil Cannabis nicht mehr als Betäubungsmittel gilt.

Offen bleibt, wie stark Enua selbst vom Telemedizin-Teil betroffen wäre. Die vorliegenden Angaben beschreiben das Unternehmen nicht als Telemedizin-Plattform; welcher Anteil des Vertriebs über Ferndienste läuft, ist unklar.

Einordnung

Eine Bankfinanzierung in dieser Höhe spricht dafür, dass Banken das Geschäftsmodell trotz regulatorischer Risiken als tragfähig sehen. Das Risiko liegt weniger im Kredit als in der Gesetzgebung: Wird der Fernverkauf eingeschränkt, verschiebt sich Wertschöpfung von Online-Plattformen zu Praxen und Apotheken. Wer in diesem Markt investiert, sollte das Gesetzgebungsverfahren im Frühjahr 2026 beobachten.

Christian Kloewer

Christian Kloewer

Tech & Startups

Christian Kloewer schreibt bei MIDO Health über Health-Tech, Startups und Finanzierungen. Er kommt aus der Kommunikation und dem Digitalgeschäft und liest Gründungen im Gesundheitswesen mit dem Blick des Machers: Was löst das Produkt, wer bezahlt dafür, und trägt das Modell?

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