Wie viel Technik verträgt der Pflegealltag? Bei einer Fortbildung für Pflegende im Kasseler Kongress-Palais stellten vier Startups ihre Produkte vor, keines ist älter als drei Jahre. Den mit 1.000 Euro dotierten Publikumspreis erhielt Romiro Robotic mit einem elektrisch angetriebenen Rollator. Veranstalter der Fortbildung ist die B. Braun Stiftung.
Mehr als 1.200 Pflegekräfte verfolgten das Programm, vor Ort oder per Livestream, aus ganz Deutschland. Neben den Pitches ging es um Anti-Diskriminierung in der Pflege und um die Nurse-led Unit am Klinikum Bremerhaven, eine Station, die von Pflegefachpersonen geleitet wird. Sie gilt den Veranstaltern als deutschlandweit einzigartig.
Die vier Ansätze
Romiro Robotic aus Heilbronn zeigte einen Rollator mit Elektroantrieb, der sich bei Bedarf zum Rollstuhl wandeln lässt. Gründer Frank Döberl präsentierte das faltbare Gerät mit 14 Kilogramm Gewicht. Es unterstützt Nutzende aktiv an Steigungen und kann als Senioren-E-Scooter dienen, wenn die Kraft nicht mehr reicht.
Zenaris aus Frankfurt setzt auf den Fernseher im Wohnzimmer. Pflegebedürftige führen darüber Videoanrufe mit Betreuenden und Angehörigen, die Bedienung läuft über große Tasten. Der Pflegedienst kann sich auf das System aufschalten, erklärte CEO Hakan Evcek.
MediEm aus Darmstadt bietet ein Pflegerufsystem für die Station. Anfragen von Patientinnen und Patienten werden per KI in Sekunden gefiltert und aus 16 Sprachen ins Deutsche übersetzt.
lebenswerk.ai aus Köln ist eine App, mit der sich Biografien Pflegebedürftiger einfach, persönlich und digital erfassen lassen. Ziel ist eine beziehungsorientiertere Pflege.
Zu Finanzierung, Kundenzahlen oder Preisen der vier Unternehmen machen die Angaben keine Aussage. Auch ob die Produkte als Medizinprodukte zertifiziert sind oder von Kassen erstattet werden, bleibt offen.
Einordnung
Bemerkenswert ist die Bandbreite: Hilfsmittel, Kommunikation, Dokumentation, Stationsorganisation. Ein Publikumspreis misst Anschaulichkeit, nicht Wirtschaftlichkeit; den Praxistest müssen die Systeme erst bestehen. Wichtig für Investoren und Träger ist, dass Pflegende selbst das Publikum stellten: Akzeptanz im Alltag entscheidet, ob solche Angebote über Pilotprojekte hinauskommen.











