Health-Tech

Nanordica: Estnisches Startup will Wundverband gegen diabetische Fußgeschwüre

Der Premotiv-Verband mit Kupfer- und Silber-Nanopartikeln steht vor der Markteinführung; eine größere Studie läuft noch.

By Christian KloewerPosted 23. Dezember 2025

Das estnische Medtech-Startup Nanordica Medical will mit einem antibakteriellen Wundverband in den Markt für chronische Wunden eintreten. Der Verband Premotiv richtet sich an Menschen mit diabetischen Fußgeschwüren. In einer kleinen Studie mit 30 Patienten verringerte er die Wundfläche um 43 Prozent. Die Markteinführung ist nach Unternehmensangaben für 2026 geplant.

Nanordica wurde 2019 in Tallinn als Ausgründung des estnischen Nationalen Instituts für chemische Physik und Biophysik von Wissenschaftlern und Medizinern gegründet. Das Team besteht aus zwölf Personen; CEO ist Olesja Bondarenko. Die Technologie ist patentiert und gehört ausschließlich dem Unternehmen. Die Herstellung soll an Auftragsfertiger ausgelagert werden.

Produkt und Evidenz

Premotiv besteht aus Seiden-Nanofasern, in die Kupfer- und Silber-Nanopartikel eingebettet sind. Nach Angaben des Unternehmens enthält der Verband im Schnitt etwa 40-mal weniger Silber als herkömmliche Wundverbände. Die erste Studie am größten Krankenhaus Estlands verglich 30 Patienten mit diabetischen Fußgeschwüren: Sie erhielten Premotiv oder einen klassischen Silberionen-Verband. Bis zum Ende der aktiven Phase schrumpfte die Wundfläche unter Premotiv um 43 Prozent; der Unterschied zum Ausgangswert war statistisch signifikant (p<0,001). Die Zahlen stammen aus Unternehmensangaben und aus einer kleinen Studie.

Eine größere randomisierte, doppelblinde Studie mit 170 Patienten läuft an fünf Zentren in Spanien. Sie wird über einen 2,4-Millionen-Euro-Zuschuss des European Innovation Council finanziert und soll bis März 2026 abgeschlossen sein. Im Mai 2024 hatte Nanordica zudem 1,75 Millionen Euro von Specialist VC (Lead), Superangel und Amalfi eingeworben.

Das Unternehmen verweist darauf, dass 19 bis 34 Prozent der Menschen mit Diabetes ein Fußgeschwür entwickeln. Ohne gute Pflege infizierten sich 50 bis 60 Prozent der Geschwüre, etwa 20 Prozent endeten in einer Amputation von Fuß oder Zehen. Nanordica will über lokale Vertriebspartner an Kliniken und Wundversorger verkaufen. Zielmärkte sind die USA, Deutschland und Großbritannien. In Deutschland ist der Verband als Medizinprodukt der Klasse II eingestuft. Das Unternehmen geht davon aus, dass er damit nach den ab 2027 geltenden Erstattungsregeln erstattungsfähig bleibt. Das ist eine Einschätzung des Herstellers, keine Zusage.

Einordnung

Die Zahlen sind vielversprechend, aber die Evidenzlage ist dünn: 30 Patienten, die entscheidende Studie noch offen. Für Investoren hängt der Wert an zwei Dingen: dem Ergebnis aus Spanien und dem Zulassungs- und Erstattungsweg nach MDR. Für Wundzentren lohnt es sich, die Daten abzuwarten, bevor sie den Verband in Pfade aufnehmen.

Christian Kloewer

Christian Kloewer

Tech & Startups

Christian Kloewer schreibt bei MIDO Health über Health-Tech, Startups und Finanzierungen. Er kommt aus der Kommunikation und dem Digitalgeschäft und liest Gründungen im Gesundheitswesen mit dem Blick des Machers: Was löst das Produkt, wer bezahlt dafür, und trägt das Modell?

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