Das Kölner Startup mentalhub will die Lücke zwischen stationärer Psychiatrie und ambulanter Weiterbehandlung schließen. Die Plattform verbindet Betroffene mit zertifizierten Genesungsbegleitern, auch Peers genannt, und mit Psychologen. Der Ansatz wird nach Angaben des Unternehmens an der Uniklinik Köln pilotiert.
Das Problem beschreibt das Team so: In Deutschland gebe es jährlich mehr als 850.000 stationäre psychiatrische Behandlungen, ein Drittel der Patientinnen und Patienten erleide innerhalb eines Jahres einen Rückfall. Für diesen Kreislauf aus Entlassung und Wiederaufnahme, den Drehtüreffekt, nennt mentalhub Kosten in Milliardenhöhe. Belege für die Zahlen legt das Unternehmen in den vorliegenden Angaben nicht vor; sie sind als Selbstauskunft zu lesen.
Wie das Angebot aufgebaut ist
mentalhub spricht von einer Blended-Care-Lösung, also einer Kombination aus digitalen Elementen und persönlicher Betreuung. Sie soll Menschen nach einer stationären Behandlung zurück in den Alltag führen. Grundlage ist das CHIME-Modell, ein Rahmen der Genesungsforschung, der Verbundenheit, Hoffnung, Identität, Sinn und Selbstermächtigung betont. Die Peers, also Menschen mit eigener Erfahrung psychischer Krisen, werden von Fachleuten begleitet. Das Unternehmen sieht sich im Einklang mit den S3-Leitlinien zur Behandlung psychischer Erkrankungen.
Das Gründungsteam kombiniert Produkt und Geschäft (Bahtiyar Yilmaz), Therapie und Community (Louisa Süß, approbierte Psychotherapeutin) sowie Software (Christian Steins, Studium am Hasso-Plattner-Institut). Ein Überblick über junge Kölner Startups nennt zudem Kerem Böge als vierten Gründer. Das Unternehmen wurde über das Gateway-Programm der Universität zu Köln begleitet.
Offen sind Finanzierung, Preismodell und Erstattungsweg. Ob Kliniken oder Krankenkassen zahlen und ob mentalhub als Digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) zugelassen werden soll, geht aus den vorliegenden Angaben nicht hervor. Ergebnisse der Pilotierung sind ebenfalls noch nicht veröffentlicht.
Einordnung
Der Übergang von der Klinik in die ambulante Versorgung ist ein bekannter Schwachpunkt, und Peer-Begleitung wird in der Psychiatrie zunehmend eingesetzt. Das ist eine bessere Ausgangslage als bei vielen reinen App-Angeboten. Für Investoren und Klinikmanager entscheidet nun der Beleg: Sinken Wiederaufnahmen messbar, und wer bezahlt die Peers? Bis Pilotdaten vorliegen, bleibt es ein plausibles Konzept mit offener Wirtschaftlichkeit.











