Das Berliner Startup ClariMed bietet eine KI-gestützte Suchmaschine, die klinische Fragen von Ärztinnen und Ärzten in wenigen Sekunden aus medizinischen Leitlinien beantwortet. Jede Antwort wird nach Unternehmensangaben ausschließlich aus verifizierten Quellen erzeugt und mit Zitaten versehen. Das Unternehmen gibt an, DSGVO-konform zu arbeiten und Daten in der EU zu halten. Gegründet wurde es von Thomas Gnahm (CEO, Technik) und dem Mediziner Michael Glas, Ärztlicher Leiter Infektiologie der AMEOS Gruppe; der Start in der Seed-Phase erfolgte im Januar 2026.
Die Lücke, die ClariMed adressiert
Der Hintergrund ist eine verbreitete Praxis: Laut dem Digital Health Report 2026 von Doctolib und YouGov greift die Hälfte der befragten Ärztinnen und Ärzte für Recherchen auf private, nicht zertifizierte KI-Tools zurück. Befragt wurden im Sommer 2025 insgesamt 414 Ärzte und medizinische Fachangestellte. Der Report spricht von „Schatten-KI“. ClariMed argumentiert, dass solche Tools meist keine Quellenangaben und keinen Leitlinienbezug liefern; zugleich hätten Kliniker kaum Zeit, 200-seitige Leitlinien zu durchsuchen.
ClariMed setzt auf Suchtechnologie, die auf AWMF-, NVL-, ESC- und weiteren internationalen Leitlinien aufbaut. Die Antworten sind in klinischer Fachsprache formuliert. Das Unternehmen betont, sie seien dank der Quellenangaben nachvollziehbar und im Streitfall belegbar. Das Geschäftsmodell ist SaaS: kostenlos nutzbar für einzelne Ärzte (Freemium), Kliniklizenzen für Institutionen. Preise nennt der Anbieter nicht, ebenso keine Nutzerzahlen; die Zahl der Ärztinnen und Ärzte wachse nach Firmenangaben täglich. Eine Finanzierungssumme ist nicht bekannt.
Einordnung
Das Produkt trifft einen Nerv, steht aber in einem dichten Wettbewerbsfeld; auch Fachverlage bieten KI-Zugänge zu klinischem Wissen an. Entscheidend sind die Trefferqualität bei komplexen Fällen und die Frage, ob Leitlinien allein genügen; Studienlage und Einzelfall gehen darüber hinaus. Für Kliniken zählt am Ende die Datenschutz- und Haftungsfrage: Wer eine Leitlinien-KI einführt, muss prüfen, wie vollständig und aktuell sie ist. Unabhängige Belege für die Genauigkeit liegen bislang nicht vor.











