Digital Health

Kliniken 2026: IT-Trends bei Krankenhausreform und Transformationsfonds

Avelios-Mitgründer Christian Albrecht sieht modulare Systeme, Prozessarbeit und Nutzerakzeptanz als Prüfsteine der digitalen Strategie.

By Christian KloewerPosted 20. November 2025

Das Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz (KHVVG) hat der eher langsamen Digitalisierung der Kliniken Schub gegeben, doch ohne moderne IT-Strategie werden viele Häuser die Transformation nur mit hohen Zusatzbelastungen schaffen. Das ist die These von Christian Albrecht, Mitgründer des Berliner Anbieters Avelios Medical, der ein neues Krankenhausinformationssystem (KIS) entwickelt. Er benennt fünf Trends, die darüber entscheiden, wie erfolgreich Kliniken sein werden; hier sind die ersten drei zusammengefasst. Dabei ist zu beachten, dass er als Hersteller seine Perspektive vertritt.

Erstens brauche es vernetzte, modulare IT-Landschaften. Das Gesetz fördert eine Differenzierung in Grundversorger, Maximalversorger, Spezialkliniken und regionale Kooperationseinheiten, was flexible Strukturen für unterschiedliche Versorgungsaufträge erfordere. Monolithische Systeme stießen an Grenzen; gefragt seien offene Schnittstellen, über die sich ERP und KIS verschiedener Anbieter sicher verbinden lassen, ohne neue Abhängigkeiten zu schaffen.

Zweitens seien neue Lösungen keine digitale Transformation. Viele Kliniken investierten in digitale Dokumentation, Patientenportale oder KI-Anwendungen, doch das greife zu kurz, wenn die klinischen Prozesse nicht neu gestaltet werden. Digitale Systeme sollten Prozesse verbessern und standardisieren, nicht nur abbilden. Drittens wachse das Risiko einer digitalen Entfremdung, wenn Anwender und Patienten nicht eingebunden werden; Akzeptanz entstehe durch intuitive Bedienung und Ausrichtung an realen Arbeitsabläufen.

Den finanziellen Rahmen setzt der Krankenhaustransformationsfonds: Er stellt von 2026 bis 2035 bis zu fünf Milliarden Euro pro Jahr bereit, insgesamt 50 Milliarden Euro, je zur Hälfte von Ländern und Bund. Gefördert werden unter anderem telemedizinische Netzwerkstrukturen, sektorenübergreifende Versorgungseinrichtungen, regionale Klinikverbünde und der Ausbau von Ausbildungskapazitäten. Anträge stellen nur die Länder beim Bundesamt für Soziale Sicherung; Kliniken müssen sich zuvor bei ihrem Landesgesundheitsministerium melden. Die Frist für Förderungen ab 2026 lief bis zum 30. September 2025.

Avelios Medical selbst hat im Februar 2025 eine Series A über 30 Millionen Euro unter Führung von Sequoia Capital erhalten, mit den Bestandsinvestoren Revent und High-Tech Gründerfonds. Als Kunden nennt das Unternehmen die Sana Kliniken, das LMU Klinikum München und die Medizinische Hochschule Hannover.

Einordnung

Die Trendliste ist eine Herstellerperspektive, aber sie benennt reale Zielkonflikte: Die Reform verlangt flexible Systeme, und viele Häuser haben begrenzte IT-Ressourcen. Ob die Fördergelder Prozessverbesserungen oder nur neue Software finanzieren, ist offen. Klinikmanager sollten Interoperabilität und Anbieterbindung früh in Ausschreibungen festschreiben.

Christian Kloewer

Christian Kloewer

Tech & Startups

Christian Kloewer schreibt bei MIDO Health über Health-Tech, Startups und Finanzierungen. Er kommt aus der Kommunikation und dem Digitalgeschäft und liest Gründungen im Gesundheitswesen mit dem Blick des Machers: Was löst das Produkt, wer bezahlt dafür, und trägt das Modell?

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