Eine Untersuchung des Employee Benefit Research Institute (EBRI) kommt zu dem Ergebnis, dass Standortunterschiede bei der Vergütung von physician‑administered outpatient drugs (PAOD) Arbeitgebern und Versicherern bis zu 12,7 Mrd. USD pro Jahr extra kosten; das entspricht rund 101 USD pro versichertem Mitglied und Jahr. Grundlage sind kommerzielle Leistungsdaten aus der Merative MarketScan Commercial Database für 2023–2024.
EBRI analysierte 106 PAOD, die nach Angabe der Studie 77 Prozent der Ausgaben für PAOD abdecken. Für die 106 Medikamente ermittelte das Institut eine geschätzte Ersparnis von 9,8 Mrd. USD, wenn Krankenhaus‑Ambulanzen (Hospital Outpatient Departments, HOPD) zum Niveau von Arztpraxen (physician offices, PO) erstattet würden; die Hochrechnung auf alle PAOD ergibt die genannte Summe von 12,7 Mrd. USD. EBRI berichtet weiter, dass HOPDs im Durchschnitt 102 Prozent mehr pro Einheit erhielten als POs, der Medianunterschied liegt bei 64 Prozent, und 59 Prozent der PAOD‑Anwendungen erfolgen in HOPDs.
Methodisch verglich EBRI die in den Abrechnungen ausgewiesenen "allowed amounts" (vereinbarte Erstattungsbeträge) für dieselben Medikamente zwischen HOPD und PO, bereinigte nach Fallmengen und hochgerechnet auf das Gesamtausgabenvolumen. Die Studie nennt als Datenbasis explizit die Merative™ MarketScan® Commercial Database und beschreibt Einschränkungen: regionale Preisvariationen, unterschiedliche Fallmixe, mögliche Abweichungen durch Dokumentationspraxis oder Abrechnungsregeln sowie die Begrenzung auf kommerzielle, 18–64-jährige Populationen.
Vertreter aus dem Kliniksektor argumentieren, dass HOPDs oft andere Leistungspakete, Infrastruktur und regulatorische Auflagen abbilden, was höhere Erstattungen erklären könne; entsprechende Reaktionen wurden von Branchenmedien berichtet (übersetzt). EBRI selbst weist darauf hin, dass unmittelbare Einsparungen vor allem Versicherern und Arbeitgebern zugutekämen, weil viele Nutzer von PAOD hohe Gesundheitskosten haben und ihre Selbstbeteiligung früh im Jahr erfüllen.
Für Entscheider in Unternehmen und bei Kostenträgern liefert der Bericht klar quantifizierte Ansatzpunkte: Site‑of‑care‑Steuerung, differenziertes Benefit‑Design, gezielte Vertragsgestaltung und Netzwerkanpassungen sind mögliche Hebel, um die ausgewiesenen Preisunterschiede anzugehen. Praktische Umsetzung erfordert zugleich Marktkenntnis, Verhandlungsmacht und Berücksichtigung der Versorgungsqualität.
Service: Fronstin, Paul, und M. Christopher Roebuck, "Location, Location, Location: Spending Differences for Physician‑Administered Outpatient Medications by Site‑of‑Treatment," EBRI Issue Brief No. 666, September 24, 2026. Datenbasis: Merative™ MarketScan® Commercial Database. Issue Brief (PDF) verfügbar auf der EBRI‑Website: https://www.ebri.org/publications/research-publications/infographics/content/full/location--location--location--spending-differences-for-physician-administered-outpatient-medications-by-site-of-treatment. Weiterer Medienbericht zur Rezeption: FierceHealthcare, "Hospital outpatient departments' higher drug reimbursement rates drive $12.7B in spending: EBRI" (Bericht, Sep 30, 2026) (übersetzt).
Einordnung: Die EBRI‑Analyse macht Standorteffekte bei PAOD transparent und liefert Zahlen, die Verhandlungen und Policy‑Debatten über site‑neutral payments und Netzgestaltung ernster unterlegen. Ob und wie schnell sich Vergütungspraktiken dadurch ändern, hängt von Vertragsmacht, regulatorischen Schritten und dem Umgang mit Qualitäts‑ und Zugangsfragen ab.











