Digital Health

Medizinstudierende erhöhen den Druck auf die Ausbildungsreform

Mehr als 3.000 Studierende fordern eine neue Approbationsordnung, verbindliche PJ-Standards und eine bundesweit einheitliche Mindestentschädigung.

By Dr. med. Alvar MollikPosted 30. Oktober 2026

Mehr als 3.000 Medizinstudierende haben bundesweit für eine Reform ihrer Ausbildung demonstriert. Im Mittelpunkt stehen eine neue Approbationsordnung, verbindliche Qualitätsstandards im Praktischen Jahr (PJ) und eine einheitliche Mindestaufwandsentschädigung. Die Aktionswoche zeigt: Aus einer hochschulpolitischen Debatte wird ein Thema für Personalplanung und Versorgungsqualität.

Organisiert wurden die Proteste von der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland gemeinsam mit lokalen Fachschaften. Aktionen gab es in mehreren Universitätsstädten; allein in Frankfurt beteiligten sich mehr als 300 Studierende. Eine begleitende Petition kam bis zum Ende der Woche auf rund 19.000 Unterschriften.

Die bestehende Approbationsordnung stammt im Kern aus dem Jahr 2002. Der seit Jahren diskutierte Reformansatz soll theoretische und klinische Inhalte enger verzahnen, praxisnahe Prüfungen stärken und Kompetenzen in Kommunikation, Digitalisierung sowie interprofessioneller Zusammenarbeit verbindlicher verankern. Aus Sicht der Studierenden reicht ein neues Curriculum allein jedoch nicht: Im PJ brauche es feste Lehrangebote, Mentoring und benannte Verantwortliche in den Fachabteilungen.

Besonders konfliktträchtig ist die Finanzierung. Das PJ ist als Vollzeitausbildung organisiert, begründet aber kein reguläres Arbeitsverhältnis. Einen bundesweiten Anspruch auf Vergütung gibt es bislang nicht. Je nach Ausbildungsstätte reicht die Aufwandsentschädigung von keinem Betrag bis zu regional sehr unterschiedlichen Zahlungen. Gefordert wird deshalb eine Mindestleistung in Höhe des BAföG-Höchstsatzes, der für Studierende mit eigener Kranken- und Pflegeversicherung derzeit 992 Euro monatlich beträgt.

Politisch gibt es Bewegung, aber noch keine abschließende Lösung. Der Bundesrat stimmte Mitte Oktober einer Änderungsverordnung mit Maßgaben zu, die zusätzliche Krankheitstage im PJ und die Aufhebung der bisherigen Vergütungsobergrenze vorsieht. Zugleich soll die Bundesregierung prüfen, ob eine bundesweit einheitliche Aufwandsentschädigung auf BAföG-Niveau eingeführt und für Krankenhäuser finanziell ausgeglichen werden kann. Ein Prüfauftrag ist jedoch noch kein Zahlungsanspruch.

Für Lehrkrankenhäuser entsteht damit ein doppelter Handlungsdruck. Bessere Lehre erfordert Zeitbudgets, qualifizierte Mentoren und überprüfbare Standards; eine Mindestentschädigung benötigt eine belastbare Finanzierung. Häuser im ländlichen Raum könnten von höheren Zahlungen als Rekrutierungsinstrument profitieren. Ohne Ausgleich drohen jedoch zusätzliche Kosten für Einrichtungen, deren Budgets bereits angespannt sind.

Einordnung

Die Reform entscheidet mit darüber, wie gut der ärztliche Nachwuchs auf digitale, ambulante und teamorientierte Versorgung vorbereitet ist. Wer Ausbildung nur als Kostenposition behandelt, verschärft mittelfristig Personalengpässe. Für Politik und Kliniken lautet die Aufgabe daher, Qualitätsstandards und Finanzierung gemeinsam zu regeln.

Dr. med. Alvar Mollik

Dr. med. Alvar Mollik

Medizin

Dr. med. Alvar Mollik ist HNO-Facharzt, Gründer von Mindful Doctor und Herausgeber des Buches „Mindful Doctor“. Bei MIDO Health schreibt er über Medizin, Versorgung und die Frage, wie Ärztinnen und Ärzte in einem sich wandelnden System gesund führen können.

Unsere Kooperationspartner

Wir danken unseren Partnern für die freundliche Unterstützung

esanumHelloBetterHartmannbundHealth Captains ClubmedicasTechniker KrankenkasseAMBOSSMWV Medizinisch Wissenschaftliche VerlagsgesellschaftBKK ProVitaFelix MedicusesanumHelloBetterHartmannbundHealth Captains ClubmedicasTechniker KrankenkasseAMBOSSMWV Medizinisch Wissenschaftliche VerlagsgesellschaftBKK ProVitaFelix Medicus

Mindful Doctor Konferenz