Finanzierung

Kliniken verlieren Rechnungszuschlag – Investitionen geraten unter Druck

Der Zuschlag von 3,25 Prozent endet zum 1. November; die ab Januar 2027 geplante Pauschale fällt nach Einschätzung der Krankenhäuser deutlich zu niedrig aus.

By Dr. med. Alvar MollikPosted 30. Oktober 2026

Für Deutschlands Krankenhäuser endet am 1. November 2026 ein Rechnungszuschlag von 3,25 Prozent. Ersatz ist erst ab Januar 2027 vorgesehen und fällt deutlich kleiner aus. Klinikverbände warnen vor einer wachsenden Finanzierungslücke, die Personal, Investitionen und den laufenden Krankenhausumbau belastet.

Der befristete Zuschlag galt seit dem 1. November 2025 für gesetzlich Versicherte, die voll- oder teilstationär aufgenommen wurden. Er sollte Kostensteigerungen aus den Jahren 2022 und 2023 nachträglich abfedern. Für die Maßnahme stellte der Bund insgesamt vier Milliarden Euro bereit: 1,5 Milliarden Euro als zusätzlichen Zuschuss an den Gesundheitsfonds im Jahr 2025 und 2,5 Milliarden Euro im Jahr 2026.

Für Aufnahmen ab dem 1. November 2026 darf der prozentuale Aufschlag nicht mehr berechnet werden. Damit entsteht zunächst eine zweimonatige Lücke. Ab dem 1. Januar 2027 soll die Notfallreform neue pauschale Rechnungszuschläge bringen: 27,30 Euro je Fall für Krankenhäuser und 50 Euro für Universitätskliniken. Vorgesehen sind dafür 450 Millionen Euro sowie weitere 100 Millionen Euro für Unikliniken.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft hält diese Beträge für unzureichend. Ihr Geschäftsführer Gerald Gaß erklärt, der Zuschlag von 3,25 Prozent habe in vielen Häusern den Unterschied zwischen Verlust und einer schwarzen Null ausgemacht. Der neue feste Betrag berücksichtigt zudem die unterschiedliche Höhe von Fallkosten nur begrenzt: Je aufwendiger eine Behandlung, desto stärker fällt der Wechsel von einem prozentualen zu einem pauschalen Zuschlag ins Gewicht.

Eine Blitzumfrage des Deutschen Krankenhausinstituts zeigt die erwarteten Folgen. Alle befragten Häuser rechnen mit wirtschaftlichen Belastungen durch das Auslaufen. 76 Prozent bewerten diese als sehr stark, 23 Prozent als stark und ein Prozent als weniger stark. In dünn besiedelten Regionen erwarten 85 Prozent sehr starke Belastungen.

Die Reaktion dürfte über den Finanzbereich hinausreichen. 76 Prozent der Kliniken planen einen Einstellungsstopp, 52 Prozent wollen Personal abbauen. 65 Prozent beabsichtigen, Investitionen zu verschieben oder vollständig zu streichen. Das betrifft potenziell auch Digitalisierungsprojekte, Medizintechnik und Prozessmodernisierung, selbst wenn die Umfrage diese Bereiche nicht einzeln ausweist.

Die Verbände verbinden ihre Finanzierungsforderung mit dem Ruf nach weniger Bürokratie. Genannt werden medizinisch nicht notwendige Dokumentation, Mehrfachmeldungen und aufwendige Prüfungen. Einsparpotenziale sind plausibel, ersetzen aber kurzfristig keine verlässliche Refinanzierung; zudem müssen konkrete Entlastungsmaßnahmen erst politisch beschlossen und umgesetzt werden.

Einordnung

Der Wechsel von einem prozentualen Zuschlag zu einer kleineren Fallpauschale ist mehr als eine technische Abrechnungsänderung. Wenn Kliniken Personal und Investitionen gleichzeitig kürzen, drohen operative Engpässe und ein verlangsamter digitaler Umbau. Für Anbieter im Health-Tech-Markt werden längere Beschaffungszyklen und verschobene Projekte damit wahrscheinlicher.

Dr. med. Alvar Mollik

Dr. med. Alvar Mollik

Medizin

Dr. med. Alvar Mollik ist HNO-Facharzt, Gründer von Mindful Doctor und Herausgeber des Buches „Mindful Doctor“. Bei MIDO Health schreibt er über Medizin, Versorgung und die Frage, wie Ärztinnen und Ärzte in einem sich wandelnden System gesund führen können.

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