Die Technische Universität München gehört bei gesundheitsbezogenen Erfindungen zu den aktivsten Hochschulen Europas. Eine neue Auswertung ordnet ihr für 2025 insgesamt 103 europäische Patentanmeldungen zu; 45 davon entfallen auf Biotechnologie, Medizintechnik und Arzneimittel.
Biotechnologie bildet mit 25 Anmeldungen den größten Gesundheitsbereich, gefolgt von Medizintechnik mit elf und Pharma mit neun. In der zugrunde liegenden Rangliste erreicht die TUM damit über alle Technologiefelder hinweg Platz neun weltweit, Platz sechs in Europa und Platz eins unter deutschen Universitäten. RWTH Aachen folgt in Deutschland mit 45, die Universität Erlangen-Nürnberg mit 39 Anmeldungen.
Die Zahl 103 ist allerdings erklärungsbedürftig. Eine frühere Patentstatistik für dasselbe Jahr führte die TUM mit 67 Anmeldungen. Der Unterschied entsteht durch die Methodik: Die ältere Auswertung ordnet eine Anmeldung nach dem zuerst genannten Anmelder zu. Die neue Forschungslandkarte erfasst breiter, ob eine Universität an einer Erfindung beteiligt ist. Die Werte beschreiben deshalb unterschiedliche Ausschnitte und sollten nicht direkt als Wachstumsvergleich verwendet werden.
Für den Markt ist ohnehin nicht allein die Zahl geschützter Erfindungen entscheidend, sondern deren Transfer. Europaweit hat sich die Zahl der Patentanmeldungen mit Beteiligung von Hochschulen, öffentlichen Forschungseinrichtungen oder Forschungskrankenhäusern von rund 3.200 im Jahr 2006 auf fast 8.000 im Jahr 2025 mehr als verdoppelt. Zugleich erlöschen 40,7 Prozent der direkt von europäischen Universitäten gehaltenen Patente innerhalb von zehn Jahren; bei US-Universitäten sind es 26,3 Prozent. Das deutet auf Schwierigkeiten bei Finanzierung, Weiterentwicklung und Verwertung hin.
Die TUM versucht, diesen Engpass mit einem beschleunigten Verfahren für Ausgründungen zu verkürzen. Ziel sind ein Beteiligungs- und ein Lizenzvertrag innerhalb von zwölf Wochen. Das Modell verlangt eine strukturierte Vorbereitung und feste Fristen; kommt keine Einigung zustande, folgt eine ausführlichere Einzelfallprüfung.
Ergänzt wird der Transfer durch ein Healthcare Venture Lab mit einer Pipeline von rund 100 Teams aus Digital Health, Künstlicher Intelligenz, Medizintechnik, Biotechnologie und Pharma. Es bietet frühen Projekten Coaching, Arbeits- und Laborflächen sowie Zugang zu einem Branchennetzwerk. Patentschutz ist damit nur ein Baustein neben klinischer Validierung, Finanzierung, Zulassung und Marktzugang.
Die wirtschaftliche Bedeutung akademischer Schutzrechte ist erheblich. Forschungsnahe Startups stellen gut ein Viertel der identifizierten europäischen Startups mit Patentanmeldungen, vereinten zwischen 2021 und 2024 aber rund die Hälfte des aufgenommenen Kapitals auf sich. Gerade im Gesundheitsbereich schaffen Patente die Grundlage für Lizenzen und Investitionen, ersetzen jedoch keinen Wirksamkeitsnachweis.
Einordnung: Die TUM zeigt eine starke Pipeline gesundheitsbezogener Erfindungen und verkürzt die formale IP-Übertragung. Ob daraus Produkte für die Versorgung entstehen, entscheidet sich erst in den nachgelagerten Schritten von Evidenz, Regulierung und Skalierung.











