Die wirtschaftliche Krise deutscher Krankenhäuser ist nach einer neuen Branchenstudie nicht mehr nur ein kurzfristiges Liquiditätsproblem. 73 Prozent der befragten Häuser schrieben 2025 Verluste; zugleich werden Defizite genauer planbar. Für Klinikmanager und Health-Tech-Anbieter wächst damit das Risiko, dass notwendige Investitionen trotz belastbarer Budgets nicht finanziert werden.
Grundlage der jährlichen Krankenhausstudie von Roland Berger sind Interviews mit rund 600 Geschäftsführern und ärztlichen Direktoren. Bei 56 Prozent der Kliniken lag das Jahresdefizit 2025 über zehn Prozent des Umsatzes. Einzelne Häuser meldeten Verluste von bis zu einem Viertel ihres Umsatzes.
Bemerkenswert ist die verbesserte Planungsgenauigkeit. 84 Prozent erreichten 2025 das im Wirtschaftsplan vorgesehene Jahresergebnis; in den Vorjahren war dies nur ungefähr der Hälfte gelungen. Die hohe Quote ist jedoch kein Zeichen einer Erholung: Fast vier von fünf defizitären Häusern erfüllten ihren Plan, weil der erwartete Verlust bereits einkalkuliert war.
Für Aufsichtsgremien verschiebt sich damit die entscheidende Frage. Nicht das formale Erreichen eines Zielwertes zeigt wirtschaftliche Stabilität, sondern die Tragfähigkeit des geplanten Ergebnisses. Wenn Verluste zum Normalfall im Wirtschaftsplan werden, können Reserven sinken, Kreditspielräume enger und Insolvenzen wahrscheinlicher werden.
Zusätzlichen Druck erwarten die Befragten durch das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz. Im Durchschnitt rechnen sie mit einem Einnahmerückgang von sieben Prozent. Mehr als jedes zweite Krankenhaus verschiebt bereits Investitionen, um Ergebnis und Liquidität kurzfristig zu entlasten.
Diese Strategie verschafft Zeit, löst aber das strukturelle Problem nicht. Verschobene Bauprojekte, Medizintechnik oder IT-Erneuerungen reduzieren zunächst den Mittelabfluss. Gleichzeitig wachsen technischer Rückstand, Wartungsbedarf und Cyberrisiken. Für Anbieter digitaler Lösungen bedeutet das längere Vertriebszyklen, kleinere Projektumfänge und eine stärkere Priorisierung nach kurzfristig messbaren Einsparungen.
Auch der mittelfristige Ausblick bleibt negativ. Rund zwei Drittel der Häuser erwarten bis Ende 2029 schlechtere Jahresergebnisse und eine weiter sinkende Liquidität. Für 2031 rechnet noch knapp die Hälfte mit rückläufigen Ergebnissen; nur jedes vierte Krankenhaus erwartet eine Verbesserung.
Die Studie beruht auf Einschätzungen von Führungskräften und ist daher keine Bilanzstatistik sämtlicher deutscher Krankenhäuser. Ihre Größenordnung und die konsistente Richtung der Antworten liefern dennoch ein deutliches Marktsignal: Viele Häuser reagieren nicht mehr auf einzelne schlechte Jahre, sondern planen dauerhaft unter finanzieller Anspannung.
Einordnung
Der gefährlichste Befund ist nicht allein die Verlustquote, sondern die Normalisierung geplanter Defizite. Ohne strukturelle Entscheidungen zu Leistungsangebot, Standorten und Finanzierung droht der Investitionsaufschub zur Dauersanierung auf Kosten von Digitalisierung und Versorgungsqualität zu werden.











