Südkorea versucht, einen Teil seines Startup-Wachstums aus Seoul in spezialisierte Regionalzentren zu verlagern. Für den Gesundheitsmarkt ist vor allem Daegu relevant: Die Stadt setzt auf einen staatlich gestützten Campus, der Medizintechnik, Arzneimittelentwicklung und klinische Erprobung an einem Standort zusammenführen soll.
Daegu gehört neben Daejeon, Gwangju und Ulsan zu vier Städten, die das südkoreanische Ministerium für kleine und mittlere Unternehmen und Startups 2026 erstmals als „Startup Cities“ benannt hat. Die Regionen verfolgen unterschiedliche Schwerpunkte. Während Daejeon auf wissenschaftsbasierte Deeptech-Ausgründungen, Ulsan auf Industrie und Gwangju auf KI-Infrastruktur setzt, positioniert sich Daegu mit zahlreichen Krankenhäusern und großen Beständen elektronischer Gesundheitsdaten als Medtech-Standort.
Kern der Strategie ist der Daegu-Gyeongbuk Advanced Medical Industry Complex in der sogenannten Innovation City. Der staatlich aufgebaute Medizincampus umfasst ein Zentrum für neue Arzneimittel, ein Entwicklungszentrum für Medizinprodukte und eine präklinische Forschungseinrichtung. Seine Fläche entspricht nach Angaben aus dem Umfeld des Programms ungefähr 150 Fußballfeldern.
Für junge Unternehmen liegt der wirtschaftliche Nutzen in gemeinsam nutzbarer Infrastruktur. Entwicklungs- und Testkapazitäten, die ein einzelnes Startup kaum finanzieren könnte, sollen dort gebündelt verfügbar sein. Hinzu kommen Arbeitsmöglichkeiten mit Ärztinnen und Ärzten, KI-Fachleuten, Forschenden und Industriepartnern. Praktizierende Kliniker können Produkte in vorgesehenen Testumgebungen prüfen; je nach Entwicklungsstufe reichen diese von Tiermodellen bis zur Erprobung mit Patientinnen und Patienten unter den jeweils geltenden regulatorischen Vorgaben.
Das Modell soll zwei bekannte Engpässe adressieren: hohe Kosten vor dem Markteintritt und eine oft langsame Abstimmung zwischen Technik, klinischer Praxis und Zulassung. Pharmaunternehmen können zugleich früh nach Technologien suchen und mit Startups kooperieren. Ob daraus tatsächlich schnellere Zulassungen oder mehr international erfolgreiche Firmen entstehen, ist noch nicht belegt.
Daegu ist Teil eines breiteren südkoreanischen Fördermodells. Landesweit arbeiten 17 Zentren für kreative Wirtschaft und Innovation mit Staat, Städten und großen Konzernen zusammen. Sie bieten unter anderem Kontakte zu Investoren und Unternehmen, Schulungen zur Finanzierung sowie steuerliche Vergünstigungen. Außerhalb der Hauptstadt fallen die Anreize teilweise höher aus. Die zentrale Schwäche bleibt jedoch bestehen: Ein großer Teil des Risikokapitals konzentriert sich weiterhin in Seoul.
Einordnung
Für europäische Health-Tech-Unternehmen ist Daegu vor allem als mögliche Test- und Kooperationsinfrastruktur interessant, nicht als Beleg für einen bereits funktionierenden Absatzmarkt. Der Cluster kann Entwicklungswege verkürzen, muss seinen Erfolg aber an belastbaren Ergebnissen messen lassen: klinisch validierten Produkten, Zulassungen, Anschlussfinanzierungen und dauerhaft in der Region verbleibenden Unternehmen.











