Zuckerreiche Lebensmittel können die Schädigung des Darmmikrobioms durch Breitbandantibiotika verstärken. Das zeigt eine im Fachblatt Nature veröffentlichte Untersuchung bei 173 Menschen während einer allogenen Stammzelltransplantation. Mausversuche stützen einen biologischen Zusammenhang; prospektive klinische Studien fehlen jedoch noch.
Das Team um Forschende des Memorial Sloan Kettering Cancer Center, der NYU Grossman School of Medicine und City of Hope erfasste 9.419 Mahlzeiten während stationärer Aufenthalte. Für 158 Patientinnen und Patienten lagen wiederholte Stuhlproben vor. Alle erhielten mindestens ein Antibiotikum, rund 80 Prozent auch ein oder mehrere Breitbandantibiotika.
Während dieser Behandlung sagte der Verzehr von Süßigkeiten und zuckerreichen Lebensmitteln eine stärkere Dysbiose voraus – eine ungünstige Verschiebung der Darmflora. Beobachtet wurden eine geringere Alpha-Diversität, also weniger mikrobielle Vielfalt innerhalb einer Probe, und eine stärkere Ausbreitung von Enterokokken. Diese Bakterien können nach einer Stammzelltransplantation zu problematischen sogenannten Pathobionten werden: normalerweise tolerierte Keime, die unter gestörten Bedingungen Erkrankungen fördern.
Nach Angaben des Forschungsteams sank die mikrobielle Vielfalt je zusätzlichen 100 Gramm Zucker in den beiden Tagen vor einer Probe um 24 Prozent. Diese Menge entspricht ungefähr dem Zucker in zwei Dosen Limonade. In der untersuchten Hochrisikogruppe waren auch süße Trinknahrung, Smoothies und Sportgetränke relevant – Produkte, die häufig eingesetzt werden, wenn schwer kranke Menschen wenig feste Nahrung aufnehmen.
Die Beobachtung beim Menschen beweist noch keine Kausalität. Der Beginn einer Breitbandtherapie hing vom klinischen Zustand ab, außerhalb des Krankenhauses verzehrte Lebensmittel wurden nicht vollständig erfasst, und Krankheitssymptome können die Auswahl von Speisen verändern. Bei Personen mit zuckerreicher Ernährung war eine längere Antibiotikaexposition zudem mit höherem Sterberisiko verbunden; auch geringere Gesamtaufnahme und Krankheitsschwere könnten dazu beigetragen haben.
Im Mausmodell ließ sich der Mechanismus gezielter prüfen. Saccharose verstärkte und verlängerte unter Breitbandantibiotika die Expansion körpereigener Enterokokken. Ohne Antibiotika führte die zuckerreiche Kost nicht zum gleichen Effekt. Unklar bleibt, ob Zucker Enterokokken direkt fördert oder die natürliche Kolonisationsresistenz anderer Darmbakterien schwächt.
Einordnung
Für Transplantationszentren entsteht ein überprüfbarer Ansatz: Ernährung während der Antibiotikagabe könnte als Teil des Medikations- und Mikrobiommanagements erfasst werden. Für Digital-Health- und Diagnostikanbieter liegen die Chancen in integrierten Ernährungsprotokollen, serieller Mikrobiomanalyse und klinischen Entscheidungsmodellen. Produktreif ist der Ansatz noch nicht; zunächst müssen kontrollierte Studien zeigen, ob weniger Zucker tatsächlich Infektionen, Komplikationen oder Sterblichkeit reduziert.











