Forschung

Maui-Studie: Giftige Metalle belasten die Lunge noch Monate nach dem Brand

Urinproben von 1.400 Erwachsenen zeigen stark erhöhte Werte; die Fortführung der Langzeitstudie ist inzwischen mit Bundesmitteln gesichert.

By Dr. med. Alvar MollikPosted 28. September 2026

Rückstände aus Rauch, Asche und Trümmern der Waldbrände auf Maui haben die Lungengesundheit von Anwohnern offenbar noch lange nach dem Brand belastet. Das zeigt eine Studie der University of Hawaiʻi, die am 28. September 2026 in der Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences erschien. Die Forscher untersuchten Urinproben von 1.400 Erwachsenen bis zu anderthalb Jahre nach den Bränden vom August 2023.

Die Feuer zerstörten die Stadt Lahaina und töteten mehr als 100 Menschen. Die Proben stammen aus dem Maui Wildfire Exposure Study (MauiWES), einer der größten Nachuntersuchungen nach einem Brand in den USA. Gemessen wurden deutlich erhöhte Konzentrationen unter anderem von Arsen, Cadmium, Kupfer und Antimon. Antimon lag fast 40-mal höher als in landesweiten US-Referenzdaten, Mangan 3,8-mal, Barium 2,3-mal und Arsen 2,2-mal.

Mehr Metalle im Körper gingen häufiger mit auffälliger Lungenfunktion einher: geringeres Atemvolumen und Mühe beim Ein- und Ausatmen in Standardtests. Die Effekte folgten der räumlichen Verteilung von Rauch und Asche. Menschen nahe Lahaina, Wailuku und Kahului waren anders betroffen als in Kula. Die Forscher vermuten als Quelle verbrannte Gebäude, Fahrzeuge und Elektronik, nicht nur Vegetation.

Grenzen und Finanzierung

Die Autoren weisen auf eine Einschränkung hin: Da es keine Vergleichsdaten vor August 2023 gibt, lasse sich nicht genau trennen, welcher Anteil auf das Feuer und welcher auf andere Quellen wie Geologie, Ernährung oder frühere Landwirtschaft und Industrie zurückgeht. Ruben Juarez, Mitleiter der Studie, sagte (aus dem Englischen übersetzt), Katastrophenhilfe dürfe nicht enden, wenn die sichtbare Gefahr vorbei ist.

Die Finanzierung war zeitweise unsicher: Im Mai 2026 scheiterte im Parlament von Hawaiʻi ein Gesetz, das die Mittel für MauiWES fortgeschrieben hätte, und die Studie pausierte. Inzwischen haben Bundesmittel von zusammen knapp 5,9 Millionen Dollar die Fortführung gesichert: 2,2 Millionen Dollar für die Beobachtung von rund 1.000 Erwachsenen bis 2029 und 3,7 Millionen Dollar für die Gesundheit von Kindern über fünf Jahre (laut Berichten aus Hawaiʻi).

Einordnung: Für Versorger, Versicherer und Anbieter von Umwelt- und Lungenmonitoring zeigt die Studie, dass Katastrophenfolgen sich über Jahre in Nachfrage nach Diagnostik niederschlagen können. Die Aussagekraft bleibt begrenzt, weil Vergleichswerte aus der Zeit vor dem Brand fehlen. Entscheidend ist, ob die weitergeführte Kohorte belastbare Langzeitdaten liefert, auf die sich Messverfahren und Erstattungsentscheidungen stützen könnten.

Dr. med. Alvar Mollik

Dr. med. Alvar Mollik

Medizin

Dr. med. Alvar Mollik ist HNO-Facharzt, Gründer von Mindful Doctor und Herausgeber des Buches „Mindful Doctor“. Bei MIDO Health schreibt er über Medizin, Versorgung und die Frage, wie Ärztinnen und Ärzte in einem sich wandelnden System gesund führen können.

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