Die Kosten für Krankenversicherungen, die US-Arbeitgeber ihren Beschäftigten bieten, steigen 2027 so stark wie seit über 20 Jahren nicht mehr. Das zeigen mehrere Erhebungen aus dem Sommer 2026. Der Berater Marsh erwartet ein Plus von 8,2 Prozent, den höchsten Wert seit 2003, und das fünfte Jahr in Folge mit Anstieg. Grundlage sind Angaben von mehr als 1.800 Arbeitgebern bis zum 10. August 2026.
Andere Studien liegen höher. Aon (mehr als 1.100 Arbeitgeber, 7,9 Millionen Beschäftigte) rechnet mit 9,5 Prozent vor Gegenmaßnahmen, was die durchschnittlichen Kosten je Beschäftigtem über 19.000 Dollar treiben würde. WTW (471 Arbeitgeber) erwartet 11,1 Prozent ohne Änderungen an den Tarifen, 9,7 Prozent mit. Die Business Group on Health (127 Arbeitgeber, 8,7 Millionen Beschäftigte) nennt einen Median von 9,2 Prozent, nach Anpassungen 8 Prozent. Die International Foundation of Employee Benefit Plans kommt auf 10 Prozent.
Als Treiber nennen die Befragten vor allem teure Einzelfälle und Medikamente. In der Erhebung der International Foundation sind schwere Schadensfälle (32 Prozent) und Spezialarzneimittel (21 Prozent) die wichtigsten Gründe. Bei den kostenintensiven Mitteln führen GLP-1-Präparate (67 Prozent der Befragten) vor Autoimmuntherapien (54 Prozent), Krebsmedikamenten (42 Prozent) und Zell- und Gentherapien (21 Prozent). Nach Berechnungen von Marsh machen GLP-1-Medikamente einen vollen Prozentpunkt des Anstiegs aus. Daneben nennt Marsh Konsolidierung bei Leistungserbringern, neue Behandlungen, KI-gestützte Abrechnungssoftware und Nebenwirkungen des Schlichtungsverfahrens im No Surprises Act.
Gegenmaßnahmen
Rund 59 Prozent der Arbeitgeber planen Kostensenkungen, vor allem über Selbstbeteiligung und Tarifdesign. Ohne solche Schritte würde sich der Anstieg nach Schätzung der Befragten auf 11 Prozent belaufen. Als wirksamste Hebel sehen sie die Kostenbeteiligung der Versicherten (19 Prozent), Änderungen am Leistungsumfang (15 Prozent) und gezielten Einkauf bei Leistungserbringern (14 Prozent). Marsh warnt, wenige Organisationen könnten Steigerungen über der Inflation ohne schwierige Entscheidungen verkraften.
Für Health-Tech-Anbieter verändert das die Verkaufsgespräche. Arbeitgeber suchen belegbare Einsparungen bei Spezialarzneien, Navigationsdiensten und Abrechnungsprüfung und sind kaum noch bereit, Programme ohne Ergebnisnachweis zu bezahlen. Zugleich wächst der Druck auf Beschäftigte, die höhere Selbstbeteiligungen tragen.
Einordnung: Die Zahlen unterscheiden sich je nach Erhebung, aber die Richtung ist einheitlich. Das Risiko liegt weniger in einem einzelnen Medikament als in der Summe teurer Therapien bei steigenden Preisen. Wer Arbeitgeber als Kunden hat, sollte Nachweise für Einsparungen liefern können.











