Das US-Unternehmen OpenEvidence will sein KI-gestütztes System zur klinischen Entscheidungsunterstützung Ärzten in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen in Afrika und Asien zugänglich machen. Partner sind das KI-Unternehmen Anthropic und Penn Medicine. Das Angebot umfasst rund 100 Länder, darunter Uganda, Angola, Sudan, Haiti und die Mongolei, und ist für Ärzte dort kostenlos.
Anthropic liefert nach den Angaben Rechenguthaben für das Sprachmodell Claude, eigene Ingenieure und Finanzmittel. Die Technik dient als Unterbau, während OpenEvidence die Anwendung regional anpasst, etwa an lokale Leitlinien und die Ausstattung der Gesundheitssysteme. Der medizinische Leiter des Unternehmens sagt (aus dem Englischen übersetzt), die beste verfügbare medizinische Evidenz solle jeden Kliniker erreichen, nicht nur Ärzte in den am besten ausgestatteten Krankenhäusern.
Penn Medicine beteiligt sich über die Botswana-UPenn Partnership, die Kooperation der Universität mit Botswana. Zugleich stellt das Universitätsklinikum die Plattform 10.000 Klinikern in seinen sieben Krankenhäusern in den USA zur Verfügung.
Reichweite im Heimatmarkt
OpenEvidence ist in den USA bereits breit im Einsatz: Im September 2026 nutzten nach Unternehmensangaben 1,12 Millionen Kliniker die Plattform, allein im August wurden 42 Millionen Anfragen gestellt. Der Schritt in Schwellenländer erweitert damit die Reichweite deutlich. Wie das Unternehmen das Angebot langfristig finanziert und welche Gegenleistung die Partner erhalten, geht aus der Ankündigung nicht hervor.
Ob die Hilfe ankommt, hängt von Voraussetzungen ab, die ein Software-Angebot nicht allein lösen kann: Internetzugang, Strom, Arzneimittelverfügbarkeit und Diagnostik. Leitlinien aus Hocheinkommensländern passen nicht immer zu den Möglichkeiten vor Ort. Die Anpassung an regionale Gegebenheiten, die OpenEvidence zusagt, ist daher der eigentliche Prüfstein.
Einordnung: Die Partnerschaft zeigt, dass Anbieter klinischer KI ihren Wachstumsmarkt zunehmend außerhalb der USA suchen und dafür mit Modellherstellern und Kliniken zusammenarbeiten. Für Health-Tech-Gründer heißt das: Evidenzsuche per KI wird zur Infrastruktur, Differenzierung entsteht über lokale Anpassung und Anbindung an Arbeitsabläufe. Belastbare Wirkungsdaten, etwa zu Behandlungsqualität, stehen noch aus.











