Der US-Pharmaverband PhRMA hat den früheren Mehrheitsführer des Repräsentantenhauses, Eric Cantor, zum Präsidenten und CEO ernannt. Er tritt am 9. November 2026 die Nachfolge von Steve Ubl an, der im April seinen Abschied angekündigt hatte. Die Personalie fällt in eine Phase, in der Arzneimittelpreise im US-Wahlkampf eine große Rolle spielen. Die Angaben stammen aus Berichten von Axios und Fierce Pharma vom 29. September 2026 sowie einer STAT-Meldung vom 1. Oktober und sind übersetzt.
Cantor, 63, vertrat von 2000 bis 2014 einen Wahlkreis um Richmond in Virginia im Repräsentantenhaus und war von 2011 bis 2014 Mehrheitsführer. Derzeit ist er Vice Chair und Managing Director der Investmentbank Moelis & Company. Nach Angaben von PhRMA führte er die überparteiliche Verabschiedung des Gabriella Miller Kids First Research Act, der Mittel für Kinderkrebsforschung bei den National Institutes of Health ausweitet, und bereitete den 21st Century Cures Act mit vor.
Ein Aufsteiger mit Vorgeschichte
Cantor galt in seiner Partei als wirkungsvoller politischer Stratege, verlor aber 2014 die Vorwahl gegen einen Herausforderer vom rechten Rand der Republikaner. STAT fragt, ob er den Populismus diesmal besser bewältigt, nun im Auftrag der Pharmaindustrie, während Forderungen nach niedrigeren Preisen und einer Abkehr vom Status quo ihren Höhepunkt erreichen.
Merck-CEO Rob Davis, Vorsitzender des PhRMA-Verwaltungsrats, nannte Cantors Kombination aus globaler Geschäftskenntnis und politischer Erfahrung auf höchster Regierungsebene ideal für die Leitung des Verbands. Ubl bleibt bis zum 15. Januar 2027 strategischer Berater.
Was auf ihn wartet
Laut Axios halten viele Amerikaner Arzneimittelpreise für unangemessen. Die Demokraten wollen im Fall einer Mehrheit nach den Midterms im November die vertraulichen Preisvereinbarungen prüfen, die Pharmafirmen mit dem Weißen Haus geschlossen haben. Fierce Pharma verweist zudem auf die Unsicherheit durch Preis- und Zollpolitik 2025 und auf Vereinbarungen mehrerer Hersteller mit dem Weißen Haus über Preise und Investitionen 2026.
Einordnung: Mit einem erfahrenen Verhandler aus Politik und Finanzwelt setzt PhRMA auf Beziehungen statt auf Konfrontation, während die Preisvereinbarungen mit dem Weißen Haus im Wahlkampf ins Licht geraten. Für Biotech- und Health-Tech-Unternehmen zählt, ob der Verband bei Preisregeln und Erstattung Spielräume erhält oder ob die Industrie weitere Zugeständnisse macht.











