Das im Juni 2026 gegründete Startup Boomerent aus Wildau in Brandenburg analysiert mit KI Gewerbemietverträge und Nebenkostenabrechnungen. Nach Angaben der Gründer gegenüber dem Startup-Portal Startbase kommt das Angebot besonders bei Ärztinnen, Ärzten und Apothekern an. Für Praxen, deren Raumkosten oft der zweitgrößte Posten nach dem Personal sind, ist das ein Thema mit direktem Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit.
Hinter Boomerent stehen Stephan Thiel und Ron van de Sand. Thiel bringt laut Startbase rund 16 Jahre Erfahrung im Immobilienmanagement mit, unter anderem beim Shoppingcenter-Betreiber ECE, kennt also die Vermieterseite. Van de Sand ist laut Startbase-Profil promovierter KI-Forscher, war an der Universität Tor Vergata in Rom und an der Technischen Hochschule Wildau tätig und gründete zuvor Technologieunternehmen. Kennengelernt haben sich beide bei einer Investorenveranstaltung des Accelerators Reaktor Wildau, an dessen zweitem Durchgang Boomerent teilnimmt.
Das Produkt versteht sich als „externes Immobiliendepartment“ für gewerbliche Mieter. Nutzer laden Verträge, Abrechnungen und Schriftverkehr hoch; die Plattform liest sie per OCR (automatische Texterkennung) aus, prüft Abrechnungen auf Plausibilität und überwacht Fristen sowie Optionsrechte, etwa zur Vertragsverlängerung. Die Gründer betonen, dass es ihnen nicht nur um Rückforderungen gegenüber Vermietern gehe, sondern um Transparenz und Prozessautomatisierung.
Als Wettbewerbsvorteil nennen sie eigene Vergleichsdaten: Über eine Partnerschaft mit der Bau-Akademie in Berlin habe Boomerent Zugriff auf Daten aus 950 Büroimmobilien, um Nebenkosten mit Benchmarks abzugleichen. Für Flächenoptimierung kooperiert das Unternehmen laut Startbase mit Eurocres.
Das Preismodell liegt laut van de Sand derzeit bei 10 Cent pro verwaltetem Quadratmeter plus einer Onboarding-Gebühr von 350 Euro pro Vertrag; letztere soll mit zunehmender Automatisierung entfallen. Das Startup ist eigenfinanziert. Nach Angaben der Gründer hat es zehn aktive Kunden, 120 Mietverträge auf der Plattform und in den ersten zwei Monaten einen fünfstelligen Umsatz erzielt. Ziel sind 200 Verträge bis Ende 2026 und 1.400 im Jahr 2027. Eine Finanzierungsrunde schließen sie für eine spätere Wachstumsphase nicht aus.
Einordnung: Für Praxisinhaber und Apotheken setzt Boomerent an einem selten digitalisierten Kostenblock an. Alle Kennzahlen stammen bislang von den Gründern selbst; ob das Benchmark-Versprechen trägt, wird sich zeigen, wenn mehr Verträge und Branchen auf der Plattform liegen. Rechtliche Prüfung von Klauseln ersetzt das Werkzeug nicht.
Service: Boomerent GmbH, Wildau (Brandenburg), gegründet Juni 2026, Teilnehmer im Reaktor Wildau. Preis laut Gründern: 0,10 Euro pro Quadratmeter und 350 Euro Onboarding je Vertrag.











