Das Deutsche Psychotherapeuten Netzwerk (DPNW) fordert, die gesamte ambulante Psychotherapie außerhalb des Budgets zu vergüten und den direkten Zugang zur Behandlung zu erhalten. Der Verband warnt vor den Folgen der Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen: Würden Therapiestunden wirtschaftlich unattraktiv, verschwänden sie womöglich aus der Versorgung, sagte der Vorsitzende Dieter Adler bei der Vorstellung des Quartalsberichts 3/2026. Die Patienten merkten das an längeren Wartezeiten.
Ein zentrales Problem bleibt die Finanzierung der Weiterbildung. Nach eigenen Erhebungen des Verbandes suchen derzeit rund 8.000 Menschen eine Weiterbildungsstelle, aber nur 430 Absolventen haben einen Platz. Jährlich kommen etwa 2.880 Absolventinnen und Absolventen hinzu. Ohne Stelle nach der Approbation, so das DPNW, kämen Betroffene später oder gar nicht in der ambulanten Versorgung an. Das schaffe neue Engpässe, weil zu wenige Fachkräfte ausgebildet würden. Die Zahlen stammen vom Verband selbst.
Zweite Forderung: Bereits begonnene und genehmigte Therapien müssen über das Jahr 2027 hinaus verlässlich finanziert werden. Eine begonnene Psychotherapie dürfe nicht mitten im Prozess zur Budgetfrage werden. Wer Patienten Versorgungssicherheit verspreche, müsse den Praxen auch Finanzierungssicherheit geben, so Adler.
Zugleich will das DPNW den freien Zugang zur Psychotherapie bewahren. Die psychotherapeutische Sprechstunde biete bereits eine fachliche Ersteinschätzung; eine zusätzliche verpflichtende Vorstufe würde aus Sicht des Verbandes eine neue Hürde für Hilfesuchende schaffen. Hintergrund ist die Debatte um ein Primärversorgungssystem, in der sich auch die Bundespsychotherapeutenkammer und der Berufsverband bvvp für den Erhalt des direkten Zugangs ausgesprochen haben.
Einordnung: Die Forderungen sind Verbandsinteressen, doch die Zahl fehlender Weiterbildungsstellen beschreibt ein Nachwuchsproblem für die ambulante Versorgung. Wie Vergütung und Zugang künftig geregelt werden, entscheidet sich in der Gesetzgebung zur Primärversorgung und zu den Sparmaßnahmen; davon hängt auch ab, wie sich das Angebot für Patientinnen und Patienten entwickelt.











