Health-Tech

Withings und Function verbinden Wearables mit Labordaten

Die neue US-Integration führt tägliche Messwerte und mehr als 160 Labortests in beiden Apps zusammen.

By Christian KloewerPosted 22. Oktober 2026

Withings und Function Health verknüpfen in den USA kontinuierliche Messwerte aus vernetzten Gesundheitsgeräten mit Ergebnissen aus mehr als 160 Labortests. Die bidirektionale Integration soll Nutzern ermöglichen, Veränderungen bei Gewicht, Körperzusammensetzung oder Blutdruck gemeinsam mit Laborwerten zu betrachten. Beide Unternehmen stellen die Funktion ab sofort bereit.

Mitglieder von Function können Messungen kompatibler Withings-Geräte in die Function-App übertragen. Dazu gehören je nach Gerät Körperzusammensetzung, Blutdruck sowie Aktivitäts-, Schlaf- und Herz-Kreislauf-Daten. Umgekehrt erscheinen Function-Ergebnisse in der Withings-App, darunter Werte zu Herzgesundheit, Stoffwechsel, Hormonen, Schilddrüse, Nährstoffen, Leber, Nieren und Schwermetallbelastung.

Function wirbt mit mehr als 160 Labortests pro Mitgliedsjahr. Der Ablauf besteht aus einem Basistermin mit über 100 Tests und einer zweiten Runde mit mehr als 60 Tests nach drei bis sechs Monaten. Die Blutabnahmen erfolgen vor allem an mehr als 2.000 Standorten von Quest Diagnostics; mobile Blutabnahmen sind regional gegen Aufpreis verfügbar. Nach Unternehmensangaben prüfen Kliniker jedes Ergebnis und markieren Auffälligkeiten.

Die Integration adressiert ein bekanntes Problem im digitalen Gesundheitsmarkt: Wearables liefern viele häufige Messpunkte, Laboruntersuchungen dagegen seltenere und medizinisch spezifischere Momentaufnahmen. In einer gemeinsamen Zeitreihe können Nutzer etwa nachvollziehen, ob Veränderungen von Gewicht oder Schlaf zeitlich mit HbA1c, LDL-Cholesterin, Ferritin oder Schilddrüsenwerten zusammenfallen. Eine zeitliche Korrelation belegt jedoch keine Ursache.

Auch der Umfang der Tests ist nicht automatisch mit einem höheren medizinischen Nutzen gleichzusetzen. Für manche Untersuchungen bei beschwerdefreien Erwachsenen ist die Evidenz für ein allgemeines Screening unzureichend. Je mehr Werte gemessen werden, desto wahrscheinlicher werden einzelne Befunde außerhalb eines Referenzbereichs, die weitere Abklärung erfordern. Entscheidend bleibt daher, ob Ergebnisse in den persönlichen Risikokontext eingeordnet werden.

Function Health bezeichnet sich selbst als Technologieunternehmen, nicht als Labor oder medizinischen Versorger. Labor- und medizinische Leistungen erbringen unabhängige Partner; die Plattform stellt keine Diagnose und ersetzt keine Behandlung. Auffällige Ergebnisse sollten deshalb mit einer Ärztin oder einem Arzt besprochen werden.

Zugang und Preis: Die Integration ist in den USA verfügbar. Die Function-Mitgliedschaft kostet derzeit 365 US-Dollar pro Jahr und verlängert sich zum dann geltenden Preis. Sie ist in allen Bundesstaaten außer New York und New Jersey erhältlich. Withings-Nutzer erhalten 30 Dollar Guthaben für Function; Function-Mitglieder bekommen zehn Prozent Rabatt auf Withings-Produkte. Details stehen auf der Integrationsseite.

Einordnung

Die Partnerschaft macht aus zwei getrennten Datensilos eine kontinuierlichere Gesundheitsakte für Selbstzahler. Ihr Markterfolg wird daran zu messen sein, ob die gemeinsame Ansicht nicht nur mehr Daten erzeugt, sondern zu früheren, angemessenen und medizinisch belastbaren Entscheidungen führt.

Christian Kloewer

Christian Kloewer

Tech & Startups

Christian Kloewer schreibt bei MIDO Health über Health-Tech, Startups und Finanzierungen. Er kommt aus der Kommunikation und dem Digitalgeschäft und liest Gründungen im Gesundheitswesen mit dem Blick des Machers: Was löst das Produkt, wer bezahlt dafür, und trägt das Modell?

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