Digital Health

Rechenzentren werden in den USA zum Gesundheitsthema

Ein geplantes Großprojekt in Arizona zeigt, wie Strombedarf, Notstrom und lokale Akzeptanz die KI-Infrastruktur bremsen können.

By Dr. med. Alvar MollikPosted 29. Oktober 2026

Der Ausbau von KI-Rechenzentren wird in den USA zunehmend als Gesundheits- und Standortfrage verhandelt. In Page, Arizona, mobilisieren Einwohner gegen ein mögliches Großprojekt auf rund 500 Acres Stadtland. Belastbare lokale Gesundheitsdaten gibt es noch nicht; nationale Modellrechnungen zeigen jedoch relevante Risiken durch Stromerzeugung und Notstromaggregate.

Der Stadtrat von Page genehmigte im Oktober 2025 eine Vereinbarung über einen möglichen Grundstücksverkauf. Gebaut wird bislang nicht. Nach Angaben der Stadt fehlen weiterhin Bau-, Zonen-, Versorgungs- und Entwicklungsfreigaben. Der Entwickler muss Strom und eine rechtmäßige, nachhaltige Wasserversorgung selbst sichern; kommunales Wasser und Strom wurden nicht zugesagt.

Die Stadt arbeitet deshalb an einem eigenen Data Center Overlay District, einem Sondergebiet mit Regeln für Rechenzentren. Der Entwurf umfasst Strom- und Wasserversorgung, Lärm und Vibrationen, Brandschutz, Notstrom, Abstände, Beleuchtung und Gebäudegestaltung. Nach einer Anhörung am 28. Oktober ist eine weitere Sitzung der Planungskommission für den 17. November vorgesehen.

Die gesundheitliche Debatte konzentriert sich vor allem auf Luftschadstoffe. Rechenzentren benötigen große Strommengen und setzen stationäre Diesel- oder Gasmotoren für Notfälle und Lastspitzen ein. Dabei entstehen unter anderem Stickoxide und Feinstaub, die mit Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden sind. Auch Emissionen vorgelagerter Kraftwerke gehören zur Bilanz.

Eine Modellstudie von Forschern aus Kalifornien schätzt, dass die Luftverschmutzung durch den wachsenden KI-Strombedarf und die Notstromerzeugung in den USA bis 2030 jährlich 940 bis 1.590 vorzeitige Todesfälle verursachen könnte; der Mittelwert liegt bei rund 1.300. Die jährlichen Gesundheitskosten könnten sich 2028 der Marke von 20 Milliarden Dollar nähern. Das sind Modellwerte auf nationaler Ebene, keine Prognose für Page.

Der Strombedarf wächst schnell. Ein aktuelles Bundesmodell erwartet für 2030 einen Referenzwert von 649 Terawattstunden für US-Rechenzentren, entsprechend 11,8 Prozent des gesamten Stromverbrauchs. Je nach Ausbau und Auslastung reicht die Schätzung von 521 bis 843 Terawattstunden.

Für Betreiber verschiebt sich damit das Genehmigungsrisiko. Gemeinden verlangen nicht mehr nur Angaben zu Arbeitsplätzen und Investitionen, sondern auch Emissionsmodelle, Lärmgrenzen, Wasserbilanzen und Kosten für die Netzinfrastruktur. Die Branche verweist darauf, dass Notstromaggregate nur begrenzt laufen und Emissionsregeln unterliegen. Bundesvorgaben erlauben ihren Einsatz in bestimmten Netznotlagen jedoch ohne die übliche zeitliche Begrenzung.

Einordnung

Die Gesundheitsdebatte macht Rechenzentren nicht automatisch unvertretbar, erhöht aber die Anforderungen an Planung und Transparenz. Wer KI-Infrastruktur bauen will, muss lokale Expositionen vorab quantifizieren und technische Minderungen verbindlich machen. Für Digital-Health-Unternehmen zeigt der Konflikt, dass die physische Infrastruktur hinter KI weder unsichtbar noch politisch neutral ist.

Dr. med. Alvar Mollik

Dr. med. Alvar Mollik

Medizin

Dr. med. Alvar Mollik ist HNO-Facharzt, Gründer von Mindful Doctor und Herausgeber des Buches „Mindful Doctor“. Bei MIDO Health schreibt er über Medizin, Versorgung und die Frage, wie Ärztinnen und Ärzte in einem sich wandelnden System gesund führen können.

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