Der US-Apothekenleistungsmanager Prime Therapeutics will die Trennung zwischen medizinischer Leistung und Arzneimittelleistung bei Spezialpräparaten überwinden. Nach eigenen Angaben senkt das Programm IntegratedRx die Gesamtkosten der Versorgung um neun Prozent, 95 Prozent der Patienten seien zufrieden oder sehr zufrieden. Die Zahlen stammen vom Unternehmen selbst und sind nicht unabhängig geprüft (aus dem Englischen übersetzt und zusammengefasst).
Prime Therapeutics ist ein sogenannter Pharmacy Benefit Manager (PBM), ein Dienstleister, der für Krankenversicherer und Arbeitgeber die Arzneimittelleistungen verwaltet: Verhandlung von Preisen, Apothekennetze, Erstattungsregeln. Das Unternehmen gehört gemeinsam 19 Blue-Cross-Blue-Shield-Versicherern und übernahm 2022 Magellan Rx.
Das Problem ist die Konzentration der Ausgaben. Rund drei Prozent der Patienten verursachen etwa 60 Prozent der Ausgaben der Apothekenleistung. Rechnet man die medizinische Leistung hinzu, entfallen auf 10 bis 13 Prozent der Patienten mehr als 90 Prozent der gesamten Arzneimittelkosten. Spezialpräparate, also teure, oft biotechnologisch hergestellte Mittel, bestimmen diese Entwicklung: 2025 waren 76 Prozent der neu von der US-Arzneimittelbehörde FDA zugelassenen Medikamente Spezialpräparate. Etwa die Hälfte der Ausgaben dafür läuft über die medizinische Leistung, etwa bei Infusionen in der Arztpraxis, und nicht über die Apotheke. 43 Prozent der Arbeitgeber nennen das Management der Ausgaben für Spezialpräparate als Top-Priorität.
IntegratedRx lässt Patienten ihre Medikamente in der hauseigenen Apotheke oder direkt in der Arztpraxis beziehen. Chief Clinical and Specialty Officer Stephen Cutts verweist auf die Komplexität, ein persönlicheres Versorgungserlebnis für die Patienten mit konzentrierten Kosten zu schaffen. Das Programm deckt bislang Mukoviszidose- und Onkologie-Präparate ab.
Einordnung: Prime Therapeutics setzt darauf, dass sich Kosten bei Hochpreisarzneien besser steuern lassen, wenn Verordnungs- und Behandlungsdaten gemeinsam betrachtet werden. Ob der Neun-Prozent-Effekt auch in unabhängigen Auswertungen Bestand hat und sich auf weitere Krankheitsgebiete übertragen lässt, bleibt offen. Aussagen zum deutschen Markt lassen sich daraus nicht ableiten.











