Die nächste Phase der Primärversorgung braucht nach Ansicht von Prasanna Mohanty Intelligenz, die direkt im Arbeitsablauf sitzt. Der Leiter der ambulanten Versorgung beim US-Verbund Sentara Health begründet das in einem Gastbeitrag Anfang Oktober 2026 (sinngemäß aus dem Englischen übersetzt). Sentara erprobt seit September eine KI-Plattform in der Primärversorgung.
Mohantys Diagnose: Wissen über einen Patienten verteilt sich auf viele Systeme, das belastet Behandelnde und erschwert die Teamarbeit von Ärztinnen, Pflegekräften und Care Managern. KI solle klinischen Kontext genau dort liefern, wo entschieden wird, statt Daten nur zusammenzufassen. Sie müsse transparent und klinisch validiert sein und unter sorgfältiger Governance stehen, also festen Regeln für Einsatz und Kontrolle, mit klinischer Aufsicht und laufender Überprüfung. Ambient Clinical Intelligence, also Systeme, die das Gespräch im Raum erfassen und die Notiz vorbereiten, senke bereits die Dokumentationslast.
Der Gastbeitrag selbst nennt weder Produkte noch Zahlen und erwähnt keinen Pilot. Er ist eine Positionsbestimmung, kein Ergebnisbericht.
Im September 2026 wurde bekannt, dass Sentara mit dem Anbieter GW RhythmX eine KI-Plattform für Empfehlungen im Behandlungsgespräch erprobt (Next-Best-Action, also der jeweils sinnvollste nächste Schritt). Beteiligt sind 30 Ärztinnen, Ärzte und Advanced Practice Provider aus Allgemein- und Innerer Medizin in zwei Märkten. Die erste Phase dauert 90 Tage. Mohanty sagte dazu, man wolle erst lernen und dann skalieren.
Gemessen werden unter anderem Nutzung, Vertrauen, Nutzen der Empfehlungen am Behandlungsort, die Einbindung in bestehende Abläufe, ob Behandelnde den Empfehlungen folgen und ob unnötige Überweisungen zu Fachärzten sinken.
Zur Größenordnung: Sentara Health betreibt nach eigenen Angaben 12 Krankenhäuser und mehr als 400 Versorgungsstandorte und erzielte 2025 einen Betriebsumsatz von 14,2 Milliarden US-Dollar. In der Primärversorgung arbeiten rund 473 Ärztinnen, Ärzte und Advanced Practice Provider. Der Pilot betrifft also einen kleinen Teil.
Einordnung
Für Anbieter ist das eine klare Ansage: Gefragt sind Funktionen im laufenden Arbeitsablauf statt eines weiteren Dashboards. Ob Vertrauen der Behandelnden und der Effekt auf Überweisungen messbar werden, zeigen erst die Pilotdaten.











