Im zweiten Amtsjahr von US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. fällt weniger der Streit um Impfstoffe auf als die Personallage in den Behörden. Beim CDC haben nach Zählung der Senatorin Angela Alsobrooks elf kommissarische Leiter die Geschäfte geführt, fünf Spitzenposten sind unbesetzt. Bei der FDA stehen acht kommissarische Amtsträger in Führungsrollen. Zugleich ordnet eine neue Beamtenregel die Arbeit am NIH politischer. (Die Angaben stammen aus englischsprachigen Berichten und sind hier übersetzt.)
Kennedy hat die erste Jahreshälfte auf Reisen verbracht: Er besuchte einen Regenerativ-Hof in Ohio, Milchbauern in Wisconsin und sah an der Cleveland Clinic einen Roboterarm bei einer Herzoperation zu. Die Behördenarbeit tritt in der öffentlichen Wahrnehmung dahinter zurück.
Die FDA leitet kommissarisch Kyle Diamantas. Unbesetzt sind dort unter anderem die Stelle des stellvertretenden Kommissars und die der oder des Beauftragten für die Gesundheit von Minderheiten. Das CDC führt seit Februar vorläufig NIH-Direktor Jay Bhattacharya zusätzlich zu seinem eigenen Amt. Demokratische Politikerinnen und Politiker, darunter Alsobrooks, sprechen von einem Führungsvakuum und fordern Kennedys Rücktritt. Das Gesundheitsministerium entgegnet, es gebe keinen Mangel an hochqualifizierten Bewerbern.
Schedule F: Politik im NIH
Die im Februar 2026 im Bundesanzeiger veröffentlichte Schlussfassung der Regel „Schedule F“ nimmt bestimmten Bundesbeschäftigten den Kündigungsschutz. Nach Schätzung der Personalbehörde OPM betrifft das rund 50.000 Stellen. Am NIH geht es um Programmverantwortliche, die über Fördergelder entscheiden, und womöglich um Beiräte und Leitungsposten der Wissenschaftsagenturen. 94 Prozent der mehr als 40.000 öffentlichen Stellungnahmen lehnten die Regel ab.
Wissenschaftler befürchten, dass renommierte Forscher den Staatsdienst meiden und politische Ernennungen Förderentscheidungen stärker beeinflussen. Eine Programmverantwortliche des NIH, die im November 2025 beurlaubt wurde, nachdem sie die Regierung kritisiert hatte, hat nach Berichten Whistleblower-Schutz geltend gemacht.
Einordnung: Für Health-Tech-Gründer mit US-Geschäft sind kommissarische Leitungen bei FDA und CDC ein Planungsrisiko: Zulassungs- und Beschaffungsentscheidungen hängen an Personen, die jederzeit wechseln können. Die Politisierung der NIH-Förderung trifft zudem die Forschung, aus der später Produkte werden. Ob sich Besetzungen in den kommenden Monaten stabilisieren, ist offen.











