Health-Tech

340B: Abgeordnete drängen HHS zum Eingreifen gegen Eli Lilly

Ein überparteiliches Schreiben fordert, dass der Pharmakonzern Kliniken Preisnachlässe wieder gewährt, die er wegen verweigerter Abrechnungsdaten gestrichen hat.

By Dr. med. Alvar MollikPosted 2. Juli 2026

Dutzende Mitglieder des US-Kongresses fordern die Regierung auf, Eli Lilly zur Wiederaufnahme von Preisnachlässen an Krankenhäuser zu bewegen. In einem überparteilichen Schreiben an Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. werfen sie dem Konzern vor, mit dem Stopp der Rabatte gegen Bundesrecht zu verstoßen. Der Streit dreht sich um das Bundesprogramm 340B und um die Frage, wer welche Daten liefern muss. (Die Angaben stammen aus englischsprachigen Berichten und sind hier übersetzt.)

Das 340B-Programm verpflichtet Arzneimittelhersteller, teilnehmenden Kliniken und Einrichtungen, die viele einkommensschwache Patienten versorgen, Medikamente zu verminderten Preisen zu liefern. Lilly hatte im Januar 2026 angekündigt, dass die Einrichtungen künftig Abrechnungsdaten auf Ebene einzelner Fälle übermitteln müssen, und zwar für Abgaben über eigene wie über Vertragsapotheken. Die Regelung gilt seit dem 1. Februar. Der Konzern will damit sogenannte Mehrfachrabatte erkennen: Für dasselbe Medikament sollen nicht zugleich der 340B-Preis und ein Rabatt aus einem anderen Programm, etwa dem Medicaid-System, anfallen.

Nach Lillys Darstellung haben rund 70 Prozent der teilnehmenden Einrichtungen, mehr als 2.300, die Daten bereits geliefert. Rund 1.000 Häuser taten das nicht. Am 1. Juni setzte Lilly eine Frist bis zum 8. Juni; danach strich der Konzern die Preisnachlässe zunächst für 50 größere Klinikverbünde.

Der Krankenhausverband American Hospital Association nannte das Vorgehen ungewöhnlich und rechtswidrig. Kliniken argumentieren, das Gesetz knüpfe den 340B-Preis nicht an eine solche Datenlieferung. Die Abgeordneten schließen sich dieser Lesart an und verlangen von HHS, die Einhaltung des Gesetzes durchzusetzen.

Was auf dem Spiel steht

Für betroffene Kliniken geht es um Erlöse, die sie nach eigenen Angaben zur Versorgung ihrer Patienten einsetzen. Für Hersteller geht es um Kontrolle: Sie wollen belegen, dass Rabatte nicht doppelt anfallen. Die Behörde HRSA, die das Programm beaufsichtigt, hat zudem ein Pilotprogramm für ein Rabattmodell vorbereitet, bei dem Kliniken Nachlässe erst nachträglich erhalten. Lillys Datenforderung bewegt sich in derselben Logik.

Ob HHS eingreift, ist offen; eine Reaktion der Behörde auf das Schreiben liegt bislang nicht vor.

Einordnung: Der Konflikt zeigt, dass Datenzugang zum Hebel der Preisregulierung wird: Wer Abrechnungsdaten kontrolliert, kontrolliert die Rabattlogik. Für Anbieter von Software zur 340B-Abrechnung und Datenanalyse entsteht damit ein Markt, während Kliniken mit Liquiditätsrisiken rechnen müssen. Entscheidend ist, ob HHS die Datenpflicht rechtlich stützt oder zurückweist.

Dr. med. Alvar Mollik

Dr. med. Alvar Mollik

Medizin

Dr. med. Alvar Mollik ist HNO-Facharzt, Gründer von Mindful Doctor und Herausgeber des Buches „Mindful Doctor“. Bei MIDO Health schreibt er über Medizin, Versorgung und die Frage, wie Ärztinnen und Ärzte in einem sich wandelnden System gesund führen können.

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