Das Kölner Softwareunternehmen Anny übernimmt das KI-Startup HiDesk und integriert dessen Sprach- und Chatassistenten in seine Buchungsplattform. Damit soll künstliche Intelligenz Termine künftig nicht nur annehmen, sondern Verfügbarkeiten, Preise und Regeln prüfen sowie Buchungen eigenständig erstellen, ändern oder stornieren. Der Kaufpreis wurde nicht veröffentlicht.
Anny wurde 2020 in Aachen gegründet und verlegte 2022 einen Standort nach Köln. Die Plattform verwaltet buchbare Ressourcen wie Personal, Räume, Geräte und Dienstleistungen. Nach Unternehmensangaben nutzen mehr als 1.500 Organisationen die Software. Das Unternehmen ist profitabel und hat bislang kein externes Wagniskapital aufgenommen.
HiDesk wurde 2025 in Köln von Florestan Peters und Jeremy Meidinger gegründet. Das Unternehmen entwickelt KI-Assistenten für Telefon und Chat. Nach eigenen Angaben hat HiDesk mehr als 250 Kunden und Partner, wächst monatlich um rund 20 Prozent und arbeitet ebenfalls profitabel. Beide Gründer und das gesamte Team wechseln zu Anny; die Marke HiDesk soll in den kommenden Monaten aufgehen.
Technisch ist die Verbindung schlüssig: Ein reiner Sprachbot kann Fragen beantworten, kennt aber nicht automatisch freie Zeiten, Behandler, Räume oder Buchungsregeln. Die integrierte Lösung greift auf Annys Echtzeitdaten zu. Für Arztpraxen vermarktet das Unternehmen den Assistenten für freigegebene Routinefragen und regelbasierte Terminvergabe, etwa nach Fachrichtung, Neupatientenstatus oder Terminart. Auch Ressourcen in Krankenhäusern, Physiotherapiepraxen und der Betriebsmedizin lassen sich abbilden.
Das Produkt ist jedoch kein Praxisverwaltungssystem und keine medizinische Dokumentation. Abrechnung, Patientenakte und klinische Entscheidungen verbleiben in den dafür vorgesehenen Systemen. Gerade diese Grenze ist wichtig: Ein Telefonagent darf organisatorische Prozesse automatisieren, aber keine nicht validierte medizinische Triage übernehmen.
Anny gibt für den KI-Assistenten Einstiegspreise ab 59 Euro monatlich an; größere Pakete decken parallele Gespräche und weitere Kanäle ab. Telefonate werden standardmäßig transkribiert und zusammengefasst. Das erhöht den Nutzen für den Empfang, schafft im Gesundheitswesen aber besondere Pflichten. Symptome, Diagnosen oder Impfstatus können Gesundheitsdaten nach Artikel 9 der Datenschutz-Grundverordnung sein. Praxen müssen deshalb Rechtsgrundlage, Auftragsverarbeitung, Löschfristen, Zugriffe und die Information der Anrufenden vor dem Einsatz klären.
Das Unternehmen erklärt, seine Sprachmodelle auf eigener Infrastruktur in Europa zu betreiben. Es nennt Zertifizierungen nach ISO 27001 und ISO 27017; ein SOC-2-Audit läuft noch. Diese Nachweise unterstützen die Sicherheitsprüfung, ersetzen aber nicht die eigene Risiko- und Datenschutzprüfung. Je nach Umfang und Risiko der Verarbeitung kann zusätzlich eine Datenschutz-Folgenabschätzung erforderlich sein.
Einordnung
Die Übernahme verschiebt Anny von einer Buchungsoberfläche zu einem ausführenden Softwareagenten. Für Praxen kann das Telefonlast und Leerzeiten reduzieren, sofern Regeln und Eskalationen sauber definiert sind. Der Markterfolg hängt weniger von der Sprachqualität ab als von zuverlässigen Schnittstellen, klaren Verantwortlichkeiten und einem belastbaren Umgang mit sensiblen Patientendaten.











