Eine kleine retrospektive Auswertung aus Essen liefert zusätzliche Hinweise auf eine Wirksamkeit von Trastuzumab-Deruxtecan bei stark vorbehandelten Patientinnen mit gynäkologischen Tumoren. Die Daten wurden auf dem 66. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe vorgestellt. Wegen der geringen Fallzahl und des rückblickenden Designs sind sie als Praxissignal, nicht als Wirksamkeitsnachweis zu lesen.
Trastuzumab-Deruxtecan, kurz T-DXd und unter dem Produktnamen Enhertu vermarktet, ist ein Antikörper-Wirkstoff-Konjugat. Der Antikörper bindet an den Rezeptor HER2 auf Tumorzellen und transportiert einen Hemmstoff der Topoisomerase I in die Zelle. Entwickelt und weltweit gemeinsam vermarktet wird das Präparat von Daiichi Sankyo und AstraZeneca; die Herstellung liegt bei Daiichi Sankyo.
Die retrospektiven Daten ergänzen die offene Phase-II-Studie DESTINY-PanTumor02. In deren gynäkologischen Kohorten erhielten 120 vorbehandelte Patientinnen mit fortgeschrittenem oder nicht operablem, HER2-exprimierendem Endometrium-, Zervix- oder Ovarialkarzinom T-DXd. Die von den Prüfärzten bestätigten objektiven Ansprechraten lagen bei 57,5 Prozent beim Endometriumkarzinom, 50 Prozent beim Zervixkarzinom und 45 Prozent beim Ovarialkarzinom. Pro Kohorte wurden allerdings nur 40 Patientinnen behandelt, und es gab keinen Kontrollarm.
Seit Juni 2026 umfasst die europäische Zulassung auch Erwachsene mit nicht operablen oder metastasierten HER2-positiven soliden Tumoren mit starker Expression, definiert als Immunhistochemie-Score IHC 3+. Voraussetzung sind eine vorherige systemische Therapie und fehlende zufriedenstellende Alternativen. Damit kann die tumorunabhängige Zulassung grundsätzlich auch ausgewählte gynäkologische Tumoren erfassen. Für niedrigere HER2-Werte lässt sich daraus keine allgemeine Regelversorgung ableiten.
Das Sicherheitsprofil verlangt spezialisierte Überwachung. In der gynäkologischen Analyse von DESTINY-PanTumor02 trat bei 13 von 120 Patientinnen eine bestätigte interstitielle Lungenerkrankung oder Pneumonitis auf; ein Fall verlief tödlich. Neue oder zunehmende Atemnot, Husten und Fieber müssen deshalb rasch abgeklärt werden. Bei symptomatischer Lungenerkrankung soll die Therapie dauerhaft beendet werden. Zudem sind Blutbild und Herzfunktion zu kontrollieren.
Für Kliniken wird eine standardisierte HER2-Diagnostik über Tumorarten hinweg wichtiger. Gleichzeitig muss die Aussagekraft älterer Gewebeproben, heterogener HER2-Expression und unterschiedlicher Testverfahren berücksichtigt werden. Die Essener Beobachtung kann helfen, Kandidatinnen und Versorgungspfade für weitere prospektive Studien zu definieren.
Einordnung: T-DXd erweitert die Präzisionsonkologie bei seltenen, fortgeschrittenen gynäkologischen Tumoren, ersetzt aber keine randomisierte Evidenz. Der unmittelbare Versorgungswert liegt derzeit vor allem bei klarer IHC-3+-Positivität, ausgeschöpften Standardoptionen und konsequentem Nebenwirkungsmanagement.











