Physician Assistants können ambulante Praxen spürbar entlasten und werden von Patientinnen und Patienten gut angenommen. Das zeigt die Zwischenevaluation eines seit 2025 laufenden Modellprojekts in Nordrhein. Der Nutzen ist erkennbar, doch die wirtschaftliche Grundlage für einen breiten Einsatz fehlt weiterhin.
Am Projekt nehmen 16 Praxen mit 32 Ärztinnen und Ärzten aus Allgemeinmedizin, Nephrologie, Pädiatrie, Gynäkologie, Neurologie und Orthopädie teil. Physician Assistants, kurz PA, sind akademisch qualifizierte Gesundheitsfachkräfte. Sie übernehmen delegierbare diagnostische und therapeutische Aufgaben; die medizinische Fallverantwortung bleibt bei der Ärztin oder dem Arzt.
Die im Frühjahr 2026 befragten Patientinnen und Patienten bewerteten das Modell überwiegend positiv. Bei 98 Prozent wurden die Erwartungen vollständig erfüllt, obwohl 76 Prozent erstmals von einer PA behandelt wurden. 68 Prozent nahmen sich intensiver betreut wahr, 64 Prozent berichteten von einer schnelleren Terminvergabe und 53 Prozent von kürzeren Wartezeiten in der Praxis.
Auch das Einsatzspektrum geht über reine Organisation hinaus. 42 Prozent nannten körperliche Untersuchungen oder Befundkontrollen, 40 Prozent die Besprechung von Laborwerten und 34 Prozent das Medikationsmanagement. Die Anlässe verteilten sich auf geplante Kontrollen mit 49 Prozent und Akutkontakte mit 45 Prozent. Bei 45,3 Prozent der Termine arbeitete die PA innerhalb des delegierten Rahmens ohne unmittelbare ärztliche Beteiligung; bei 28,5 Prozent wurde die Ärztin oder der Arzt kurz hinzugezogen, meist für ein Rezept oder eine Therapieentscheidung.
Besonders aussagekräftig sind die Rückmeldungen der sechs Praxen, in denen PAs bereits etabliert sind. Alle berichten von ärztlicher Entlastung und würden eine Anstellung weiterempfehlen. Gegenüber medizinischen Fachangestellten sehen sie Vorteile durch die höhere klinische Qualifikation, eine sicherere Ersteinschätzung und ein breiteres Delegationsspektrum. Fünf der sechs Praxen bewerten den PA-Einsatz auch gegenüber einer Assistenzarztstelle als vorteilhaft.
Die kleine Zahl etablierter Einsatzorte begrenzt allerdings die Aussagekraft. Der Zwischenbericht belegt Akzeptanz und organisatorischen Nutzen, noch nicht aber eine dauerhaft positive Kostenbilanz. Zu Projektbeginn erwarteten nur drei von zehn neu einstellenden Praxen ein wirtschaftlich positives Ergebnis.
Der Kern des Problems liegt im Einheitlichen Bewertungsmaßstab. Eigene Abrechnungsziffern für PA-Leistungen fehlen; delegierte Tätigkeiten laufen über ärztliche Positionen. Bestehende Regeln fördern zwar bestimmte Leistungen nichtärztlicher Praxisassistenzen, bilden das breitere PA-Profil aber nicht systematisch ab. Hinzu kommt der Bedarf an klaren Qualifikationsstandards und rechtssicheren Grenzen der Delegation.
Der Abschlussbericht ist für das dritte Quartal 2027 angekündigt. Zuvor soll Ende 2026 eine weitere Befragung der neu einstellenden Praxen erfolgen.
Einordnung: Das Modell liefert ein belastbares Signal für teambasierte Versorgung, aber noch keinen Beweis für Skalierbarkeit. Entscheidend werden nun standardisierte Aufgabenprofile, Ergebnisdaten und eine Vergütung sein, die den zusätzlichen Versorgungsbeitrag abbildet, ohne die ärztliche Verantwortung zu verwischen.











